Samstag, 5. Dezember 2015

Weihnachtslügen



Lo Malinke

Alle unter eine Tanne

320 Seiten, ISBN: 978-3-596-03032-3, 9,99€



Für die Adventszeit DER SO GANZ ANDERE WEIHNACHTS-FAMILIENROMAN: »Alle unter eine Tanne« von Lo Malinke – entwaffnend ehrlich, pointiert witzig und dabei einfühlsam versöhnlich
»Und den Kindern sagen wir es erst, wenn wir tot sind.«
Vor drei Jahren haben sich die Psychotherapeutin Elli (62) und der Arzt Robert (65) scheiden lassen, um mit neuen Partnern zusammenzuleben. Aber keiner von beiden hat es bisher über sich gebracht, den drei erwachsenen Kindern davon zu erzählen. Deshalb wird auch in diesem Jahr die alljährliche Weihnachtsfeier wieder mit der ganzen Familie im Elternhaus inszeniert – eine mittlerweile routiniert ablaufende Farce. Aber dieses Mal gerät der Plan ins Wanken. Roberts neue Partnerin, Chrissi, will das nicht mehr dulden und quartiert sich unangemeldet ein. Sie stellt ein Ultimatum: Bis zum Abendessen sollen die Verhältnisse geklärt sein.

„Die Girlanden auf den Fenstersimsen im ersten Stock bildeten gurkengrüne Augenbrauen für die Fenster darunter. Das Haus schien Elli mit kritischem, nein, mit mürrischem Blick anzustarren. Sie starrte trotzig zurück und seufzte vernehmlich. Aber alles würde gut gehen. Auch in diesem Jahr.“




"Alle unter einer Tanne" hat mich köstlich amüsiert und in mir den Wunsch geweckt, niemals unter solch chaotischen Lebensumständen leben zu müssen. Wenn ich anfange mein Leben auf Lügen aufzubauen, muss ich damit rechnen, dass ich irgendwann vor den Scherben meines Lebens stehen werde. Eigentlich ist es traurig, wenn man nicht den Mut hat, seinen Kindern zu gestehen, dass man schon einige Zeit geschieden ist und schon einen neuen Partner / eine Partnerin an der Seite hat. Die Idee des Romans hat mir aber dennoch sehr gefallen, da man es nicht zu ernst nehmen sein sollte und das Ganze trotzdem mit einem Schulterzucken abtun sollte. Die Lüge über das gescheiterte Eheleben ist nämlich nicht das Einzige, was sich letztendlich offenbart. Diese Familie hat einiges, was nicht rund läuft und kommt nun an Weihnachten zusammen, um sich gegenseitig eine heile Welt vorzuspielen. Es kommt einiges an Problemen und Lügen zusammen und niemand spricht sie aus. Wäre da nicht Chrissi, die es satt hat, gerade an Weihnachten auf Robert verzichten zu müssen, würden die nächsten Feste ebenso ablaufen wie bisher. Elli, die mir anfangs etwas merkwürdig erschien, bekommt zum Ende hin doch noch den einen oder anderen Sympathiepunkt, da deutlich wird, warum sie ihrem Exmann dieses Verhalten überstülpen möchte. Trotzdem machte sie es mir lange schwer sie zu mögen.

"Alle unter einer Tanne" brilliert definitiv durch seine Protagonisten, da die Unterschiede der jeweiligen Personen wirklich kaum zu übertreffen sind. Chaos ist im Alltag Programm und nur an Weihnachten nimmt man sich zusammen? Das Fest der Liebe? Ist es wirklich sinnig sich dauerhaft zu verstellen und ein Lügengebäude zu errichten?

Auch wenn es bisher nicht so klang, habe ich mich beim Lesen köstlich amüsiert, denn es war urkomisch mitzuverfolgen, wie dämlich sich erwachsene Menschen aufführen, um eine heile Welt vorzuspielen. Ich wusste worauf ich mich einlasse, denn der Klappentext spricht eine doch sehr deutliche Sprache. Ein außergewöhnlich anderes  Weihnachtsbuch, da es eben keiner Friede - Freude - Eierkuchen - Welt widerspiegelt, sondern echtes Chaos bereithält.

Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung an "Alle unter einer Tanne", da ich zwar keine Harmonie bekam, aber dennoch einen Roman, der mich doch irgendwie aufzeigen konnte, wie wichtig Wahrheit ist, um ein gesundes Miteinander zu haben.


★★★★ 

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