Montag, 7. Dezember 2015

Nach dem Hochwasser ........


Inés Garland

Wie ein unsichtbares Band

Roman
Aus dem Spanischen von Ilse Layer
AUSGEZEICHNET MIT DEM DEUTSCHEN JUGENDLITERATURPREIS 2014
»Ich sah sie schon von weitem, sie saß auf einem Ast, die Beine im Wasser, als hätte sie schon immer dort gesessen. Zu ihren Füßen lag noch ein Mädchen, das genauso aussah wie sie, nur aus Wasser, und beide grinsten, wie die Katze in Alice im Wunderland. Als ich näher kam, zerfloss das Mädchen aus Wasser, und das andere, das auf dem Ast saß, sprang herunter.«
Alma verbringt mit ihren Eltern jedes Wochenende auf einer Insel im Flussdelta in der Nähe von Buenos Aires. Die Nachbarskinder Carmen und Marito werden zu ihren Spielgefährten und Freunden. Auf der Insel ist die Welt in Ordnung, soziale Unterschiede scheinen keine Rolle zu spielen. Als Almas Eltern merken, dass ihre Tochter mehr als Freundschaft für Marito empfindet, verbieten sie ihr den Umgang. Doch da ist Alma schon längst mit Marito zusammen …
Eine Kindheits- und Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der aufkommenden Militärdiktatur in Argentinien, die zu Tränen rührt.

256 Seiten
ISBN: 978-3-596-81117-5
7,99€

"Wie ein unsichtbares Band" erzählt von einer Freundschaft, die erst völlig harmlos beginnt, sich aber mit den Jahren in Liebe verwandelt. Wie soll Alma Marito erzählen, dass sie mehr für ihn empfindet? Es wird Drama mit politischer Wahrheit verknüpft, die mich wirklich fasziniert und sprachlos macht. Im Anhang geht die Autorin zur Aufklärung noch ein klein wenig mehr darauf ein. 1976 drehten sich die Uhren scheinbar anders als hier bei uns im Westen, denn es erscheint mir fast noch weiter weg in der Zeit zu liegen, auch die sozialen Unterschiede werden deutlicher, sobald Almas Eltern merken, dass Alma mehr für Marito empfindet. Eine kindliche Freundschaft war in Ordnung, eine Liebesbeziehung scheint ausgeschlossen. Es war für mich nicht gleich ersichtlich, dass Alma aus einem besseren Stall kommt als Marito und Carmen. Erst die Geburtstagsfeier die Alma gibt, um ihre Klassenkameraden zu beeindrucken bringt Licht ins Dunkle.Alma verrät alles, was ihr bisher wichtig schien und verliert damit die einzigen Kontakte für die es sich lohnen würde. Die Oberflächlichkeit ihrer Klassenkameraden wird überdeutlich und dennoch schafft Alma es nicht sich freizustrampeln.


„Ihr Vertrauen knüpft ein unsichtbares Band zwischen uns, und ich folge ihr ohne Fragen zu stellen.“
Zitat aus dem Buch


Letztendlich liegt auf "Wie ein unsichtbares Band" eine gewisse Trauer, die sich lange hält. Wer hier einen Roman erwartet, der nur vor Freude strotzt wird bitter enttäuscht sein, da sich "Wie ein unsichtbares Band" dem bedient, wie es wirklich hätte sein können. Es schmerzt auf der einen Seite, zeigt aber auch auf wie wichtig Geschichte eines Landes ist. Für mich war das Drama Argentiniens völlig unbekannt und als ich las, dass es eben nicht nur Fiktion ist und Maritos, Almas und Carmens Geschichte so hätte sein können wie beschrieben, war ich schockiert. Welch Grauen für die Menschen. Für mich absolut nachvollziehbar, dass dieser Roman mit einem Jugendbuchpreis belohnt wurde, denn auch wenn es mitunter schwere Kost ist, zeigen die Hintergründe auf, wie wertvoll es war, diesen Roman so zu schreiben, wie ich vorgefunden habe und nicht anders. Letztendlich authentisch und sehr bewegend.

Absolut lesenswert!

Kommentare:

  1. oh schöne Rezi, das Buch wandert gleich auf meine Wunschliste!

    Viele Grüße

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  2. Das Buch klingt toll und du hast eine so schöne Rezension dazu geschrieben, so dass es auch gleich bei mir auf die Wunschliste wandert ;)

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