Donnerstag, 26. November 2015

Das Beste kommt zum Schluss



Angelika Glitz Illustrator: Leonard Erlbruch

Der Himmel kommt später

Roman
Hardcover
empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre , 240 Seiten, ISBN: 978-3-596-85669-5, 12,99€, KJB

Ein realistische, wunderschön erzählte Geschichte über eine ganze besondere Freundschaft
Louise, genannt Lulu, spart auf Inliner. Als ihr Vater sie bittet, dienstags nachmittags gegen Bezahlung seiner alten Tante Gesellschaft zu leisten, sagt sie gleich zu. Außerdem fällt dann der ungeliebte Flötenunterricht aus. Tante Hilde ist steinalt, aber sie hat es faustdick hinter den Ohren. Von Mal zu Mal geht Lulu lieber zu ihr. Und schließlich ist es an Lulu, Tante Hildes allergrößten Traum zu erfüllen.
Angelika Glitz erzählt in leisen, warmen Tönen und voller Humor die anrührende Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, eine Geschichte über das Leben und den Tod. Mit leichter Hand gelingt es ihr, dem Leser ein Lächeln ins Herz zu zaubern.




"Der Himmel kommt später" ist eine sehr einfühlsame Geschichte, die auf der einen Seite sehr amüsant ist und auf der anderen Seite auf das Thema Sterben vorbereitet. Den Tod klammern wir aus unserem Leben aus und dennoch ist er täglich präsent. In "Der Himmel kommt später" wird er ganz klar angesprochen und dennoch ist er ohne Schrecken. Tante Hilde ist eine unglaubliche Frau, die für Lulu nicht nur wichtig wird, weil sie ihr Taschengeld aufbessern will, sondern wunderbare Geschichten zu erzählen weiß und diese oft nicht beenden kann, da sie einschläft. Sie schnarcht dabei wie ein Walross. Sie schleicht sich schnell in Lulus Herz und Lulu stellt einiges an, um diese ungewöhnliche Freundschaft zu festigen. Die Erwachsenen sehen diese Freundschaft anders an und merken nicht, wie wichtig Lulu und Tante Hilde füreinander sind. Im Prinzip profitieren beide voneinander, denn Tante Hilde bekommt noch einmal richtig Schwung und stellt ihrerseits auch das eine oder andere an. Es war wirklich amüsant und am Ende habe ich doch schwer schlucken müssen, denn auch hier wird deutlich, dass wir Erwachsenen eine andere Sichtweise haben als Kinder und vieles verloren haben, was nur mit den Augen eines Kindes gesehen werden kann. Tante Hilde ist 97 Jahre alt und hat ein sehr bewegendes Leben geführt, von dem sie Lulu erzählt. Als Lulu ihr eine Freude machen will und dabei ihre Freundinnen mitnimmt, da sie sie für etwas ganz Besonderes benötigt, gab es eine Aussage, die mich sehr zum Lachen gebracht hat. Meine Urgroßmutter hatte sehr viele Falten, da sie auch schon sehr alt war und ich sagte zu ihr als Kind, dass sie aussehe wie ein Baum. Tante Hilde war wohl auch schon sehr faltig und die Idee die Falten zu zählen, um auf das Alter von Tante Hilde zu kommen, fand ich amüsant. Es erinnerte mich einfach an meine eigene Kindheit, als ich noch aussprechen durfte, was ich dachte. Kinder sind einfach herrlich und ich finde es schön, wie Lulu das eintönige Leben von Tante Hilde bereichert und bunter gestaltet hat. Es zeigt sich, das Jung und Alt voneinander profitieren können. Warum nicht von Kindern lernen? Lulu begegnet Tante Hilde völlig unvoreingenommen und behandelt sie auch anders, als es die Erwachsenen im Roman tun.
Auf dem Cover sehen wir, dass Tante Hilde Schlittschuhe trägt und dieses ist auch, was sich durch das ganze Buch zieht wie ein roter Faden. Schlittschuhe und Inliner. Inliner, der Grund, warum Lulu gegen Bezahlung bei Tante Hilde "arbeitet" und Schlittschuhe, die eine ganz wunderbare Geschichte erzählen, auch wenn es etwas dauert bis die Geschichte erzählt ist, denn wie schon erwähnt, schläft Tante Hilde oft während der Erzählung ein. Lulu muss also wache Momente abwarten bis Tante Hilde weitererzählt. Es liegt also auch eine gewisse Spannung in der Luft.

Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für einen sehr einfühlsamen Roman, der für das empfohlene Lesealter ab 10 Jahren absolut geeignet erscheint. Natürlich wird sicherlich die eine oder andere Frage am Ende aufgeworfen, aber ich vermute, dass jede/r der dieses Buch verschenkt oder selbst lesen will, dazu bereit ist, sich diesen Fragen zu stellen. Man muss Kindern nicht alles verschweigen, denn sie verstehen mehr als wir ahnen und der Tod gehört auch zu ihrem Leben dazu.



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