Montag, 28. September 2015

Wut im Bauch




Louisa Reid

Jeden Tag ein bisschen mehr

Hardcover
Aus dem Englischen von Birgit Maria Pfaffinger
ISBN: 978-3-8414-2229-3
16,99 Euro


Der Insidertipp für alle, die mitreißende, außergewöhnliche Bücher lesen wollen.

„Ich bin dreimal gestorben, bevor ich das Alter von fünf Jahren erreicht habe. Vielleicht ist ‚krank‘ mein gesund.“

Audrey ist nicht wie andere Mädchen. Sie hat keine großen Träume, sondern wünscht sich einfach nur ein normales Leben. Als sie mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder in ein abgelegenes Haus zieht, nimmt sich der Nachbarsjunge Leo der Neuankömmlinge an. Doch mit Audreys Körper scheint irgendwas nicht zu stimmen. Audrey ist krank, ohne dass ihre Krankheit einen Namen hat. Ihre Mutter und ihr Bruder wollen ihr Bestes, doch was ist das Beste? Für sie? Für die Familie?



"Jeden Tag ein bisschen mehr" hat mich ziemlich wütend gemacht, denn Krank sein ist nichts verwerfliches, aber Krank gemacht zu werden, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Es ist sehr, sehr schwierig dieses Jugendroman zu bewerten ohne wirklich preis zu geben, worum es sich letztendlich dreht. Ich hoffe sehr, dass es mir gelingt, denn so wie der Verlag das Buch präsentiert, ist es tatsächlich. Mitreißend und außergewöhnlich. Die Grundidee ist nicht Neu, aber das Schicksal von Audrey geht mir dennoch sehr nah und ich kann und will manche Sachen einfach nicht nachvollziehen können. Natürlich steht da eine schwere Psychose im Raum und eine gewisse Sucht nach Anerkennung oder wie auch immer man es betiteln soll, dennoch fehlt mir die Wertschätzung des Lebens. Meiner Meinung nach ist das Leben ein Geschenk und man sollte es nicht so fahrlässig benutzen, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Wer oder was ist in diesem Roman also krank? Auch wenn die Story oft unglaublich traurig ist oder in mir echte Wut erzeugt, ist "Jeden Tag ein bisschen mehr" ein Roman, der mich sehr bewegt, nachdenklich macht und durch sein guten Ende wirklich in der Buchwelt brillieren könnte.

Das Cover wirkt so zart und der Klappentext verrät auch nicht viel, obwohl man natürlich sofort eine Psychose vermutet. Fragt sich nur bei wem diese Psychose am ausgeprägtesten ist. Ich hatte schnell Verdachtsmomente und war daher nicht sonderlich überrascht, als klar wird, was sich wirklich in Audreys Zuhause abspielt.

Leo ist ausschlaggebend für Veränderungen und ich empfand ihn als Nebendarsteller sehr wertvoll. Er hält zu Audrey, egal wie sie sich verhält oder wie die anderen über sie reden. Sie ist merkwürdig keine Frage, aber manchmal ist Audrey auch ganz sie selbst und da erscheint sie mir als sehr verletzlich. Manchmal brauchen wir alle einen Leo, der uns Halt gibt und irgendwann unser Retter in der Not wird, immer dann, wenn "das Ding" Besitz von uns ergreifen möchte,

Gerne möchte ich an dieser Stelle eine Leseempfehlung aussprechen, denn je mehr ich schreibe, umso größer ist die Gefahr mich doch noch zu verplappern und euch die Spannung zu nehmen. "Jeden Tag ein bisschen mehr" ist lesenswert ab der ersten Seite und kann mit einem Ende aufwarten, auf das ich 560 Seiten lang gehofft hatte.
Eine wundervolle Sprache, eine angenehme Schriftgröße sind einem Jugendbuch angemessen und für die Zielgruppe ab 13 Jahren absolut geeignet, obwohl vielleicht hier und da Fragen auftreten könnten, aber da wären wir dann als Eltern gefragt auf diese einzugehen. Meine Erwartung an das Buch sind voll erfüllt und ich bin letztendlich überzeugt, dass sich auch bei dir während des Lesens das eine oder andere Mal ein Wutgefühl einstellen wird.


★★★★★




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