Sonntag, 27. September 2015

Wer Rache schwört



LIV JANSEN

Zornröschen

ISBN 978-3-95649-210-5304 Seiten / Mira Taschenbuch / 9,99 Euro

"Eines Tages werden wir uns an allen rächen!", sagte Charlotte wütend.
"Nein!", sagten Gerti und Anne. "Nicht eines Tages! Jetzt!"

Gerti, Charlotte und Anne - drei Frauen, die nicht nur unterschiedlich alt - 31, 52 und 72 - sondern auch sonst sehr eigen sind: Die Putzfrau Gerti kommt aus ärmlichen Verhältnissen und saß wegen angeblichen Mordes an ihrem Mann unschuldig im Gefängnis. Die Werbetexterin Anne hatte angeblich Firmeninterna weitergegeben und wurde aus dem Job gemobbt, und die mondäne Unternehmensberaterin Charlotte soll Steuern hinterzogen haben. Dadurch sind all drei Frauen auf der Straße gelandet. Und weil sie sich bestens verstehen, tun sich zusammen und schwören Rache.


LESEPROBE!

"Zornröschen" sprach mich durch Klappentext und Cover sofort an und daher freute ich mich riesig, dass es mir von BloggdeinBuch und dem Mira Taschenbuchverlag zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt wurde. Meinen ♥-lichsten Dank dafür, ich habe mich während des Lesens köstlich amüsiert. 




"Zornröschen" ist ein amüsanter Racheroman, der das Leben dreier sehr unterschiedlicher Frauen beleuchtet, die vom Leben gebeutelt auf der Straße leben. Der Klappentext spricht eine sehr deutliche Sprache, daher gab es in dieser Hinsicht wenig Überraschungsmomente. Als Leserin weiß ich genau, auf was ich mich einlasse und war freudig überrascht darüber, dass Mich die Story sofort packen konnte. Es ist auf der einen Seite sehr traurig, wie schnell man alles verliert und obdachlos werden kann, aber auf der anderen Seite sehe ich auch einen großen Zusammenhalt zwischen den Menschen auf der Straße, von denen wir uns als Menschen mit Dach über dem Kopf gerne eine Scheibe abschneiden können. Man ist bereit sich gegenseitig zu helfen, auch wenn jede Vorgeschichte eine andere ist. Auf charmante und amüsante Art und Weise begleiten wir drei Frauen, deren Schicksale sich zwar gravierend voneinander unterscheiden, die aber dennoch dieselben Rachegedanken hegen. Gemeinsam Rache nehmen spornt scheinbar an und für mich war es nicht ungewöhnlich festzustellen, dass sich hier für alle drei Frauen ein Happy End anbahnt. Andererseits ist dies nur möglich, wenn man ein klein wenig Geld zur Verfügung hat, um das Projekt Rache auch finanzieren zu können. Es ist also einerseits auch utopisch sich denjenigen zu stellen, die Schuld an unserer Misere sind. Mobbing ist leider etwas, was ich auch schon erlebt habe, aber ich hoffe immer noch, dass nicht ich diejenige bin, die Strafen aussprechen wird, sondern jemand anderes erkennt, dass hinter einer schönen Fassade etwas abgrundtiefes hässliches lauert. Für Charlotte war dies ihr Mann, dem sie vertraut hat und der sie ausgenommen hat wie eine Weihnachtsgans. Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, was Charlotte schmerzlich erfahren muss. Gerti war mit ihrem Mann sehr unglücklich, da er auch sehr gewalttätig war. Ist dieses ein Grund, ihn regelrecht abzuschlachten? Ihr gesamtes Geld ging für ihre Verteidigung drauf, die dann letztendlich doch dazu geführt hat, dass Gerti einsitzen musste. Dort lauerte eine Wärterin, die Gerti seelisch und sicherlich auch körperlich gequält hat. Für Anne endet ihre Karriere als Werbetexterin durch eine faustdicke Lüge, die dazu führt, dass sie ihren Job verliert. Sie sucht sich psychologische Betreuung, aber da ihre finanzielle lage nicht geklärt ist, lässt die Psychologin sie fallen wie eine heiße Kartoffel.

Für mich ist es verständlich, dass sich Wut und Groll breitmacht und man denjenigen, die verletzt und zerstört haben einen Strick drehen muss. Dieses obliegt einer gewissen Planung, denn blauäugig kann man sicherlich nicht das erreichen, was man erreichen will und das wäre RACHE zu nehmen. Es werden also Listen geschrieben, auf denen Ziele festgesteckt werden und durch finanzielle Mittel und jede Menge Hilfe durch andere Menschen, kommen alle drei Frauen ihrem Ziel ein klein wenig näher.

"Zornröschen" weist dadurch leichten Tiefgang auf, da es immer wieder einwirft, dass es schnell möglich ist obdachlos zu werden und die Chancen wieder sesshaft zu werden mitunter äußerst gering sind. Mich hat es sehr betroffen gemacht und ich schäme mich ein klein wenig, dass man Menschen schnell abstempelt und sie als "Selbst Schuld" mit einem Schulterzucken betrachtet. Nicht jede/r ist dem Alkohol verfallen. Manchmal steckt sicherlich auch ein schweres Schicksal dahinter. Ich will aber nicht abschweifen, sondern mich wieder auf  "Zornröschen" konzentrieren. Mir hat der Roman sehr gefallen, da er mich einige Abende bestens unterhalten hat. Ich möchte gerne eine Leseempfehlung aussprechen, denn die Story ist witzig, interessant und auch informativ. Eine ausführliche Personenbeschreibung und eine etwas längere Einleitung, dienen dazu, dass man sich als Leser/in auf die Protas einstellen kann und hier und da auch Sympathie pflegen kann. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann ein gewisses Wohlbefinden am Ende nicht absprechen. Manchmal bekommt man, was man verdient und ein klein wenig Schadenfreude kann ich mir leider nicht absprechen. Manchmal ist Zorn voller Dornen und daher passt sowohl Titel als auch Cover absolut perfekt, wobei "Zornröschen"  im Laufe des Buches eine andere Bedeutung bekommt, aber das solltest du lieber selbst lesen wollen. ☺












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