Samstag, 19. September 2015

Trauer und Hoffnung miteinander verknüpft






Für alle Tage, die noch kommen


Roman
Wie sage ich meinem Kind, dass ich sterben muss? Gar nicht, beschließt Eleanor, als sie von ihrer Brustkrebserkrankung erfährt. Ihre achtjährige Tochter Melissa soll so lange wie möglich eine unbeschwerte Kindheit haben. Stattdessen sammelt Eleanor Gedanken, Erinnerungen und gemeinsame Erlebnisse in einem Buch, das sie bei ihrem Anwalt hinterlegt. Wie fühlt es sich an, wenn die Mutter ohne Abschied geht? Auch siebzehn Jahre danach fühlt Melissa sich unvollständig. Gerade hat sie den Heiratsantrag ihres Freundes Sam abgelehnt, den sie doch innig liebt. Da bekommt sie ein kleines Buch zugestellt – ein Buch, aus dem noch einmal ihre Mutter zu ihr spricht. Es ist voller Rezepte, für die Küche und fürs Leben. Und voller Liebe. Melissa beginnt zu verstehen, was Eleanor für sie getan hat. Sie erkennt, wie sehr sie geliebt wurde. Und sie weiß jetzt, dass sie es auch kann: der Liebe vertrauen.



Hardcover
368 S.

ISBN: 978-3-426-65371-5
16,99 €



Manchmal entscheidet man sich bewusst dazu ein Buch zu lesen, in dem es über Tod und Trauer geht, obwohl man diese Themen am liebsten aus den Gedanken vertreiben will. Mich sprach der Klappentext sehr an, zumal ich selbst Mutter bin und meine jüngste Tochter im selben Alter ist, wie Melissa, als ihr Mutter den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Ich bin sehr dankbar für dieses zwar oft auch traurige Buch, da es einerseits Abschied ist, aber eben auch ein Neuanfang, da es für Melissa einen Trauerprozess abschließt, der schon viel zu lange angedauert hat. Für Melissa kam der Tod der Mutter überraschend und man merkt schnell als Leserin, dass sie noch nicht damit abgeschlossen hat und immer noch in der Trauerphase steckt. Durch das Buch, welches ihre Mutter heimlich geschrieben hat, werden Erinnerungen wach, die Melissa ganz tief in sich vergraben hat. Ausgelöst durch die geschriebenen Worte, kommen diese zum Vorschein und überrollen Melissa förmlich. Was als Schmerz empfunden wird, dient irgendwann dazu, dass sich Melissa Neuem öffnen kann. Ich empfand diesen Veränderungsprozess als wunderbar und konnte es genauso annehmen, wie es im Roman bezeichnet wurde. Man merkt der Autorin an, dass sie sich ganz viele Gedanken darüber gemacht hat, wie sie Emotionen einbaut, damit ich mich nicht überfordert fühle. Eine gewisse Traurigkeit überschattet das komplette Buch, dennoch steckt sehr viel Wärme und Geborgenheit zwischen den Zeilen die Mut machen und dem Thema Sterben nicht den Schrecken nehmen, sondern daran erinnern, vielleicht darauf zu blicken was man erlebt hat mit einem geliebten Menschen und nicht das, was man verpasst hat, weil er nicht mehr da ist und wir unseren Weg alleine gehen müssen. Melissa hat einen ganz wunderbaren Vater, der zwar nicht alles auffangen kann und auch eben auch nicht verhindern kann, dass Melissa diverse Bindungsängste entwickelt, aber er ist verfügbar und gibt sein Bestes in der Erziehung seiner Tochter.

Meine Wahrnehmung des Romans war äußerst positiv, trotz des eher traurigen Themas des Abschiednehmens. Melissa kommt völlig unerwartet in eine Situation, die man keinem Kind wünscht da ihre Mutter den Wunsch hatte, ihre letzten Tage auszukosten und nicht vom Tod überschatten zu lassen. Ob dieses Richtig oder Falsch ist, liegt nicht in meinem Ermessen, denn diese Entscheidungen muss jede Mutter für sich selbst treffen. Das Buch voller Erinnerungen und Rezepten ist eine wunderbare Idee und gibt dem Roman die Schönheit zurück.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für ein Buch voller Emotionen, die aber nicht erdrückend wirken, sondern am Ende ganz viel Hoffnung und Neuanfänge bieten können.


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