Freitag, 25. September 2015

Profile - ein schockierender Jugendroman mit Message






Christine Seifert

PROFILE - Die Prognose

Hardcover

FJB
384 Seiten
ISBN: 978-3-8414-2150-0
14,99 €

Originaltitel: The Predicteds


Ein packendes Jugendbuchdebüt über ein hochaktuelles Thema

Nach einem Amoklauf an der Quiet High soll das Programm PROFILE voraussagen, welche Schüler ein Sicherheitsrisiko darstellen. 
Als die Ergebnisse veröffentlicht werden sollen, kommt jedoch erst recht Unruhe auf …

»Ich hebe den Kopf so weit ich kann, bis mein Hals ganz gestreckt ist. Meine Hände sind auf dem Rücken gefesselt.
"Warum tust du das?", frage ich.
Er schweigt einen Moment, während er meinen Kopf loslässt, doch sobald ich mich mühsam aufsetze und mich hektisch im Raum umblicke, schlägt er meinen Kopf wieder zurück auf den Boden und bohrt mir sein Knie ins Gesicht.
"Wir hätten wissen müssen, dass das passieren würde", sagt er. "Es wurde vorhergesagt. Von PROFILE"«




"Profile - Die Prognose" verdeutlicht, dass Diskriminierung absolut menschenunwürdig ist und Menschen in zwei Klassen aufteilt. Die Grundidee ist vielleicht gut gemeint, aber die Ausführung verachtend und schmerzlich. Gestern noch befreundet, heute auseinander gerissen. Ein Amoklauf führt dazu, dass sich alle Schüler der Quiet High einen Test unterziehen sollen, der diagnostizieren soll, wie gewaltbereit oder kriminell eine Person ist. Diejenigen, die die Prognose von Profile gestellt bekommen, werden regelrecht ausgemustert. Die Reaktion der Eltern, deren Kinder keine Prognose erhalten ist wirklich beschämend. 

"Profile - Die Prognose" liest sich sehr gut und ist der Genre Jugendbuch passend zugeordnet. Es beginnt gleich hochgradig spannend und entwickelt dadurch eine Eigendynamik, einen Sog auf mich als Leser. Wir Menschen, die sowieso immer gerne bereit sind auszugrenzen und zu diskriminieren, bekommen durch Profile echtes Futter geliefert. Denn mal ehrlich, wer möchte neben einem potentiellen Mörder, Totschläger, Amokläufer oder sonstigen Kriminellen in der Schule sitzen? Es entwickelt sich eine Zweiklassengeselllschaft und diejenigen mit Profile bekommen nun ihren Stempel auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine eigene Schule. Sie sind wie Aussätzige und umgeben sich nur noch mit Ihresgleichen. 

Wir haben beschlossen, im Interesse der Sicherheit aller Schülerinnen und Schüler, die Namen derjenigen Personen mit einer Prognose öffentlich bekanntzugeben..... Mit diesen Informationen, mit dieser Liste, können wir besser auf die Bedürfnisse unser gefährdeten Schüler eingehen. Wir geben auch diese Namen nicht bekannt, um irgendeine Form grausamen oder diskriminierenden Verhaltens gegen diese Personen zu begünstigen. Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil wir glauben, dass es der richtige Weg für unsere Schule ist."
S. 240 

In der Ich - Form geschrieben begleiten wir Daphne, die erst einige Tage die Quit High besucht. Daphne hat noch keinerlei Kontakte, Freundschaften geschlossen als sie sich urplötzlich in der Nähe des Amokläufers befindet und um ihr Leben fürchten muss. Ihre Mutter ist Wissenschaftlerin und an der Entwicklung von Profile maßgeblich beteiligt. Als ihr aus menschlicher Sicht bewusst wird, wie sehr Profile Menschen verändert, zieht sie sich zurück und dennoch wird sie maßgeblich mit Profile konfrontiert, denn Profile wird in der Schule ihrer Tochter als Test ausgeführt. Was als Test angedacht wird, entwickelt eine eigene Kraft und zeigt sehr deutlich, wie schnell wir bloßstellen, verachten und eben auch diskriminieren. Die Frage tritt auf, Menschen mit fragwürdiger Prognose wegzusperren und nur noch mit ihresgleichen zusammenzubringen. Im Vorfeld schon bestrafen, obwohl keine Straftat bekannt ist?

Insgesamt hat mich "Profile - Die Prognose" wirklich begeistern können. Ein absolut brisantes Thema genial in Szene gesetzt. Es bietet Spannung und ein Ende, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Eine kleine eingebaute Liebesgeschichte geben dem Roman die nötige Würze. Ein Roman der nachdenklich stimmt und für die Zielgruppe von Lesern definitiv angemessen erscheint. Ein Roman mit dem Potential unbedingt darüber reden zu müssen. Wie schnell sind wir dabei zu verurteilen und auszugrenzen? Es ist mir schmerzlich bewusst, dass ich mich oft nicht anders verhalten hätte, da mir das Wohl meines Kindes an erster Stelle steht oder die Gewissheit zu haben, mein bester Freund / meine beste Freundin ist zu kriminellen Taten in welcher Form auch immer bereit, würden sicherlich auch dazu führen mich zurückzuziehen, aber ist es wirklich richtig?


★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Hei c:

    Klingt nach einem spannenden Buch mit einem tollen Cover! Eine tolle Rezension!
    Auf meinem Blog läuft momentan ein Gewinnspiel, vielleicht hast du ja noch Lust, daran teilzunehmen - ich würde mich riesig freuen c: Schau doch vorbei:
    walkingaboutrainbows.blogspot.de

    Ganz viele liebe Grüße, Michelle ☼♥

    AntwortenLöschen