Samstag, 5. September 2015

Dory ist unheimlich wunderbar (und auch ein klein wenig einsam)

ABBY HANLON

Donner und Dory! Klein, aber oho


Band 1

Originaltitel: Dory Fantasmagory
Originalverlag: Penguin, US
Aus dem Englischen von Sophia Marzolff 
Mit Illustrationen von Abby Hanlon

Ab 7 Jahren
Gebundenes Buch, Pappband, 160 Seiten 
ISBN: 978-3-570-16375-7
€ 10,99  
Verlag: cbt



Sie ist lustig. Sie ist mutig. Sie hat Fantasie.
Die Jüngste zu sein ist ziemlich doof, wenn die älteren Geschwister einen immer zu kindisch finden. Dory ist schon sechs, und trotzdem rollen Charlotte und Luca jedes Mal die Augen, wenn sie mitmachen will. Also bleibt Ratte, so Dorys Spitzname, nichts anderes übrig, als in ihrer eigenen Welt zu spielen, wo ihr das Lieblingsmonster Mary stets zu Diensten ist und sie Herrn von Morps, ihre gute Fee, von jeder Banane aus anrufen kann. Und auch mit der 507 Jahre alten Frau Knorpel-Knacker, die die Großen nur aus Rache erfunden haben, erlebt Dory das Abenteuer des Jahrhunderts. Doch dann brauchen Charlotte und Luca eine Heldin in der wirklichen Welt – und Dory ist zur Stelle!


"Donner und Dory! Klein aber oho" ist wirklich umwerfend. Meine Tochter und ich haben uns köstlich amüsiert, auch wenn ich als erwachsene Leserin das Buch natürlich mit anderen Augen sehe, als mein Kind. Mein Kind sah nur die Streiche, die Dory spielt und die fantastische Welt die sich Dory erschaffen hat, während ich ein klein wenig tiefer sah und auch sah, wie oft Dory traurig auf ihre Geschwister blickt, da diese sie aus dem Spiel ausschließen. Um nicht dauernd alleine zu spielen, erschafft sie sich eine imaginäre Monsterfreundin. Imaginäre Freunde sind im Alter von Dory völlig normal und daher auch nicht besorgniserregend. Besorgniserregend ist eher der Spitzname den Dory trägt: "Ratte" und mit dem Namen ruft sie auch ihre Mutter. Mich hat dieses nicht gefallen, denn irgendwie nahm ich es als Schimpfwort wahr. 

Dory ist ein wunderbares kleines Wesen, welches vor Fantasie förmlich übersprudelt. Mir ist natürlich bewusst, das Dory dadurch, dass sie alles hinterfragt sehr anstrengend ist, aber sie komplett auszugrenzen, ja regelrecht zu meiden, empfand ich wirklich traurig. Frau Knorpel - Knacker soll Dory, die sich manchmal auch noch wie ein Baby benimmt, mitnehmen und somit wieder für Ruhe sorgen. In dem Moment fand ich Charlotte und Luca noch doofer als zuvor, aber Dory wäre nicht Dory, wenn sie sich nicht zu helfen wüsste. Sie löst dieses Problem mit Witz und Charme und steht somit um einiges sympathischer da, als ihre Geschwister, die sie erst dann wahrnehmen, als sie Hilfe brauchen. 

Zum Ende hin wird Dory doch noch in das gemeinschaftliche Spiel integriert und natürlich ist mir bewusst, dass es geschwisterliche Zänke gibt, aber hier war es mir zwischendurch einfach zu viel, zumal sich auch die Eltern gegen Dory stellen. Ein außergewöhnliches Kind zu haben, welches wirklich viele Fragen an das Leben hat, kann nerven, aber es in ihrem Wissendurst zu blockieren ist schon echt hart und hat mich während des Lesens doch frustriert. Wie gut, dass meine Tochter noch eine andere Wahrnehmung hat und "Donner und Dory! Klein aber oho" einfach nur genießen konnte, ohne dieses oder jenes zu hinterfragen. Besonders gefallen haben uns die Illustrationen, die uns mehr als einmal zum Lächeln gebracht haben. 

Insgesamt ist "Donner und Dory! Klein aber oho" absolut zu empfehlen. Man sollte allerdings als Erwachsene seinen Verstand ein klein wenig ausschalten und das Buch mit Kinderaugen lesen / vorlesen, sonst wird es dich vielleicht hier und da doch ein klein wenig ärgern, denn letztendlich wollen wir doch alle geliebt sein und auch wenn wir unbequeme Fragen stellen, diese auch beantwortet wissen, oder nicht?

★★★★★

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