Dienstag, 7. Juli 2015

Krankhaft geritzt




Gillian Flynn

Cry Baby - Scharfe Schnitte


Aus dem Amerikanischen von Susanne Goga-Klinkenberg
ISBN: 978-3-596-03202-0
9,99 Euro

 DAS ERSTE BUCH VON GILLIAN FLYNN, DER MEGA-BESTSELLERAUTORIN VON ›GONE GIRL<
›Babydoll‹ steht auf ihrem Bein. ›Petticoat‹ auf ihrer linken Hüfte. ›Böse‹ findet sich ganz in der Nähe. ›Girl‹ prangt über ihrem Herzen, ›schädlich‹ ist in ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß ›verschwinden‹. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Sie findet die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch.




Ehrlich gesagt kann ich den Hype um "Gone Girl - Das perfekte Opfer" nicht nachvollziehen. Für mich ein absoluter Flop. Dennoch reizte es mich, einen weiteren Roman / Thriller der Autorin zu lesen und "Cry Baby - Scharfe Schnitte" gefiel mir um einiges besser. Es ist absolut psychotisch und voller kleiner und großer Dramen, die Camille und ihre Vergangenheit betreffen. Es dreht sich um Krankheit, psychischer und körperlicher Natur und um den Tod. 
Camille hat sich ihrer Familie komplett entfremdet, was im Nachhinein auch ein sehr kluger Schachzug war, denn in Wind Gap zu bleiben, hätte vielleicht auch ihren Tod bedeutet. Die Worte, die sich Camille in die Haut geritzt hat, werden im kompletten Buch verdeutlicht und es beinhaltet einen leichten Grusel. Was führt eine junge Frau dazu, sich regelrecht zu verstümmeln? Wie viel Schmerz und Sehnsucht muss in ihr versteckt sein? 

SPOILER!!!! Camilles Leben wird nach und nach aufgedeckt und beinhaltet ein grausiges Geheimnis. Für mich mit einem Lerneffekt verbunden, denn ich wusste nicht, dass es tatsächlich Mütter gibt, die sich zu wahren Monstern ihren Kindern gegenüber entpuppen, nur um Aufmerksamkeit zu erregen. Man nennt dieses Phänomen Münchhausen Stellvertretersyndrom und eingepackt in die Story erschien es absolut passend und gab dem Thriller eine eigene Wendung. 

Es dreht sich nicht nur um Camille, sondern auch um die beiden toten Mädchen. Um die Morde sorgfältig zu recherchieren zieht Camille in ihr Elternhaus und stellt sich somit ihrer Familie. Ihre jüngste Schwester erschien mir vom ersten Moment an absolut durchgeknallt und auch sehr unsympathisch. Von der Mutter auf Kind getrimmt und vor Gleichaltrigen als Vamp. Lange Zeit erschien ihr Charakter zu aufgesetzt und nicht authentisch. 

Im Gesamtpaket würde ich "Cry Baby - Scharfe Schnitte" nicht in das Genre Thriller einordnen, denn es ist eher ein Drama, eine Familiengeschichte, welche mit zwei Morden verknüpft wurde. Eine leichte Spannung ist vorhanden und ich als Leserin bekam während des Lesens die eine oder andere Überraschung präsentiert. Mordtheorien werden verworfen und dann doch wieder hervorgekramt, da sich einige auftretende Personen sehr auffällig benehmen. Wer steckt hinter den Morden an Ann und Natalie? Wer zog den beiden Mädchen die Milchzähne? Wer hatte Freude daran diese beiden Mädchen zu erwürgen und warum? Das Ende und die Auflösung schockt nicht wirklich, hinterlässt aber definitiv einen bitteren Nachgeschmack.

Ich fühlte mich gut unterhalten und kann bis auf einige kleine Einschränkungen gerne eine Leseempfehlung aussprechen. Wer allerdings auf einen blutigen Thriller hofft, wird sicherlich enttäuscht werden. Wer sich anderweitig unterhalten möchte, wird in "Cry Baby - Scharfe Schnitte" ein solides und gutes Buch entdecken können.



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