Montag, 20. Juli 2015

Chaotisch, Warmherzig + Depressiv



Schau mir in die Augen, Audrey

  
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Ab 12 Jahren
Paperback, Klappenbroschur, 384 Seiten 
ISBN: 978-3-570-17148-6
€ 14,99  

Verlag: cbj




Eine zauberhafte funkensprühende Familiengeschichte
Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...

LESEPROBE!


Von Sophie Kinsella hatte ich zuvor schon einige Bücher gelesen, daher war mir ihr Humor nicht unbekannt. Im Bereich Kind und Jugendbuch zu schreiben ist sicherlich eine ganz besondere Herausforderung, die ihr unheimlich gut gelungen ist, denn trotz ernstem Thema der Depression und Angststörung, gelang es der Autorin mich sofort begeistern zu können. Sie hat eine Familie erschaffen, die sehr authentisch erscheint und fast schon meine eigene sein könnte, denn sie leben nicht in einer Friede - Freude - Eierkuchenwelt, sondern müssen sich durch ihren oftmals chaotischen Alltag schlagen. Sie sind dabei so interessant, dass es sehr viel Spaß machte, sie zu begleiten. Ihre Höhen und Tiefen miterleben, aber eben auch all das Schöne, was Familie einfach mit sich bringt. Es gibt trotz aller Probleme einen Zusammenhalt und das erscheint definitiv für mich als Leserin authentisch und liebenswert. Das Lesen war auf der einen Seite spannend, da Audrey schlimmes erlebt haben muss und auf der anderen Seite gefiel mir die Veränderungen, die Audrey erlebt und sie wieder ganz sie selbst werden lässt. Audrey scheint ein Mobbingopfer gewesen zu sein, was die Angststörung, Depression und Zwangsneurose ausgelöst hat. Wirklich aufgeklärt wird dieses nicht, ist aber auch nicht relevant, da lediglich zählt, dass Audrey nicht in ihrem tiefen Loch bleibt, sondern sich nach und nach davon befreien kann. Manchmal ist es sinnig sich auf andere einzulassen, damit man Ängste wieder loswird. Manchmal muss man aber auch tatsächlich auf Medikamente zurückgreifen, die auf Erkrankung wie einer Depression unterstützend wirkt.

"Schau mir in die Augen, Audrey" brilliert definitiv auch durch das gewählte Cover. Dieses war ein Mitgrund, dass ich den Roman unbedingt lesen wollte. Ein Mädchen mit einer Sonnenbrille im Vordergrund, was ja nichts ungewöhnliches ist, dennoch ist die Sonnenbrille für Audrey wie ein Schutzschild hinter der sie sich verstecken kann. Augenkontakt zu anderen ist nicht möglich und so trägt Audrey ihre Sonnenbrille dauerhaft.

Audreys Depression wird im Buch nicht beschönigt und wir teilen ihre Ängste ganz intensiv. Es ist nicht aufgesetzt geschrieben, sondern passt sehr gut in das, was die Autorin aussagen wollte, denn Audrey bleibt nicht stehen, sondern geht irgendwann voran und kann sozusagen einen Neubeginn wagen. Vielleicht ist Linus ein großer Bestandteil dessen, da er dafür sorgt, dass Audrey die Außenwelt wieder wahrnimmt und langsam aus ihrem Schneckenhaus kriecht. Eigentlich ist Linus ein Freund ihres Bruders, der lediglich zum zocken kommt. Das erste Zusammentreffen mit ihm verläuft völlig unerwartet für mich und zeigte mir Audreys Erkrankung recht deutlich. Es szeigt sich, dass nicht nur Audrey betroffen ist, sondern die komplette Familie involviert ist, denn sie müssen Audrey begleiten und mitunter auch mit Samthandschuhen anfassen.

Im Klappentext wird die Familie recht gut vorgestellt, daher spare ich mir dieses, will aber den vierjährigen jüngeren Bruder zumindest erwähnen, da er natürlich auch eine wichtige Rolle spielt. Er ist derjenige, der völlig unbefangen reagiert und mich dadurch oft zum Schmunzeln gebracht hat. Kinder sind einfach absolut ehrlich und in diese Story passte er wunderbar hinein. Es lockerte auf und rundete die Story noch weiter auf.

Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für "Schau mir in die Augen, Audrey", da der Roman mich trotz ernstem Themen wie Mobbing, Depression, Psychotherapie und diversen anderen Dingen begeistern konnte. Ich empfand ihn nicht als oberflächlich, was manche Jugendbücher manchmal mit sich bringen, sondern als regelrecht tiefgehend auf amüsante und chaotische Weise. Die Protagonisten dieses Buches sind sehr authentisch, da sie eben nicht in einer Friede - Freude - Eierkuchenwelt leben, sondern alle ihre eigenen Sorgen und Probleme haben. Wie reagierst du, wenn deine Mutter deinen Computer aus dem Fenster wirft, da sie der Meinung ist, dass du Spielsüchtig bist? Diese Momente sind echte Wohlfühlmomente, von denen es einige im Buch geben wird. Lass dich einfach überraschen, von diesem einerseits manchmal auch traurigen Buch, welches aber im nächsten Satz dieses wieder vergessen lässt und dir ein Lächeln schenkt. Du darfst gespannt sein auf Audrey und das Chaos um sie herum, wenn du dich nur darauf einlässt ☺ Viel Spaß dabei!



Mein Dank an den cbj Verlag für dieses erfrischende Leseerlebnis. Ich fühlte mich rundum wohl und kann nicht anders als dieses Buch weiterzuempfehlen!


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