Mittwoch, 24. Juni 2015

Sturmerprobter Kutter




Die Sturmrose

  • Taschenbuch
  • Klappenbroschur
  • 560 Seiten
  • ISBN-13 9783548286686
  • 9,99 Euro
  • Ullstein

        LESEPROBE!





"Die Sturmrose" erzählt die Geschichte eines alten Kutters, der für Annabel Hansen eine wichtige Rolle spielen wird. Für sie wird ihre eigene Vergangenheit nach und nach lebendig. Sich ihr zu stellen ist mitunter schmerzhaft, aber für uns als Leser sehr lehrreich, daher habe ich die Reise in die Vergangenheit und die eingewebte Liebesgeschichte sehr genießen können. Meine Erwartungshaltung an das Buch war sehr hoch, da ich schon zuvor Bücher der Autorin gelesen hatte und diese mir schon vom angenehmen Schreibstil sehr gefallen haben. Für mich als Kind des Westens ist ehrlich gesagt immer sehr erschreckend, wenn ich in die Geschichte der DDR eintauche. Es lehrt mir vieles und mitunter beschämt es mich auch, dass ich so unwissend bin. Menschen handeln aus Überzeugung, auch wenn die Wege die sie gehen falsch sind und mir auch menschenverachtend und ihrer Würde beraubt vorkommen.
Corina Bomann schaffte es mit "Die Sturmrose" Vergangenes mit Gegenwart so zu verknüpfen, dass ein wunderbarer Roman entstanden ist, den es zu lesen lohnte. Im Laufe der Story wird deutlich, wozu der Kutter genutzt wurde und ihn wieder startklar zu machen, sodass kleine Ausflugsfahrten wieder möglich sind, ist fast schon eine Berufung für Annabel. Annabel selbst steht vor den Scherben ihres Lebens, welches sie sich nach und nach wieder neu aufbauen muss. Die Ehe gescheitert, im Beruf am Anfang ihrer Karriere, ein neuer Wohnort und auch eine neue Umgebung für ihre kleine Tochter. Für Annabel selbst wird der Brief, den sie im Kutter findet der Anstoß, ihre Vergangenheit neu zu beleuchten. Besonders gefallen hat mir hier, dass Vergebung möglich war und für Annabel ein Abschluss, ein Häkchen, welches sie unter alle Fragen, die ihre Kindheit betreffen setzen konnte.
Der Name "Sturmrose" passt zu dem alten Kutter wie die Faust aufs Auge, denn er ist nicht nur sturmerprobt, sondern diente dazu Menschen neu aufblühen zu lassen. Blühend wie eine Rose. Mir gefällt die Metapher, denn manchmal muss man einfach neues beginnen und altes hinter sich lassen können. Eine Flucht über die Ostsee war für viele Flüchtlinge der DDR der Rettungsanker.
Auch Christians Geschichte empfand ich als sehr schmerzhaft und dramatisch. Die Sturmrose spielte auch in seinem Leben eine tragende Rolle und sie nun neu entdeckt und wieder wiederhergestellt, bringt auch ihm Heilung.
Natürlich ist einiges vorhersehbar, dennoch konnte ich lange genug in die Story eintauchen, um mich mitnehmen zu lassen auf die stürmischen Fahrten des Lebens. Manche Erfahrungen werde ich nie teilen müssen, aber feststeht, dass Vergangenes aufgearbeitet, ausgesprochen werden muss, damit Menschen innerlich heilen können. Corina Bomann hat dieses gut aufgearbeitet, damit am Ende nicht die Verletzung steht, sondern der Neubeginn. Dafür nutzte sie verschiedene Erzählstränge und brachte so Licht ins Dunkle. Mir hat es gefallen, dass letztendlich nicht nur Christians und Annabels Geschichte präsentiert wurde, sondern auch andere Personen zu Wort kommen und der Handlung einen besonderen Rahmen boten.

Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, da ich mich bestens unterhalten gefühlt habe. Absolutes Wohlfühlbuch, indem Abenteuer, Geschichte, Drama und Liebe miteinander im Einklang geherrscht haben.

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