Sonntag, 28. Juni 2015

Alles Vegan, oder was?


Ellen Berg

Alles Tofu, oder was?

Broschur, 334 Seiten, 978-3-7466-3128-8, 9,99€

Aber bitte mit Soja!

Für Dana kommt’s dicke: Erst lässt sie ihr Freund Paul nach einem völlig verunglückten romantischen Dinner sitzen. Dann zieht ihr nörgeliger Vater bei ihr ein und raubt ihr den letzten Nerv. Auch ihr Plan, die Gäste ihres kleinen Bistros mit veganer Kost zu beglücken, schlägt fehl, selbst ihr Koch Hung Tai hält Danas Essen für einen Anschlag auf den guten Geschmack. Allein ihr Stammgast Philipp lässt sich nicht abschrecken und stochert sich tapfer durch Tofu-Algen-Ragout und Seitan-Schnitzel. Zugleich nehmen die Schikanen der fiesen Maklerin Müller-Mertens überhand, die es auf das Haus mit Danas Restaurant abgesehen hat. Doch dann entdeckt Dana die besänftigende Wirkung eines veganen Liebesmenüs und beschließt, um ihre Existenz zu kämpfen. Dabei erweist sich ausgerechnet ihr fleischliebender Vater als große Unterstützung. Womit Dana jedoch am allerwenigsten gerechnet hat: Ganz unverhofft steht ihr Herz in Flammen.




"Alles Tofu, oder was?" ist ein sehr amüsanter Roman, der mich oft zum Schmunzeln gebracht hat. Ich bin mir zwar immer noch unsicher, ob die vegane Lebensweise von Dana, unserer Protagonistin nicht vielleicht einfach nur aufs Korn genommen wurde, oder ob Ellen Berg das Ziel verfolgt hat mich auf eine gesündere Lebensweise aufmerksam zu machen, Ehrlich gesagt fand ich Danas Ansichten manchmal wirklich krass, vor allem, da sie auch ihrer Tochter viele Dinge verwehrt, die für meine Tochter völlig normal sind. Angefangen bei Gummibärchen (enthalten Gelatine) bis hin zu Nutella (enthält Zucker). Natürlich ist es sinnig sich hier und da Gedanken zu machen, aber Dana empfand ich gerade am Anfang der Story absolut übertrieben in ihren Ansichten. Es betrifft ja nicht nur ihre Ernährung, sondern auch ihre Kleidung. Klar wird vieles was wir tragen durch 3. Welt Länder produziert und vielleicht sogar durch Kinderarbeit, aber wenn ein Mensch alleine die Großkonzerne nicht zum Umdenken bewegen können. Falls es Ellen Bergs Ziel war mich zu sensibilisieren, dann hat sie es nur zum Teil geschafft, obwohl ich doch eher den Hang zum Schmunzeln hatte.

Danas Leben ist sehr chaotisch und hat schon den Hang zum Drama, denn nichts läuft wirklich rund. Mit dem Partner zerstritten, das Restaurant am Ende und Danas Vater, der sich bei ihr und ihrer Tochter einquartiert. Nichts schient zu gelingen und wirkt auf mich sehr überspitzt, obwohl dieses dazu führt, dem Roman sehr viel Amüsement einzuhauchen. Comedy in Romanform und daher genau das Richtige, um mich aus meinem Alltag zu entführen. Ich empfand "Alles Tofu, oder was?"als sehr gelungen, denn ich fühlte mich wirklich wohl. Ich habe eine Freundin, die mich sehr an Dana erinnert hat. Eine gesunde Lebensweise ist das eine, sich, den Kindern und den dem Partner alles zu verwehren, was diese lieben und schmecken wollen, empfinde ich mitunter doch als verwerflich, da es immer wieder zu Streit führen wird. Dana erlebt dieses selbst am eigenen Leib und manchmal tat sie mir auch etwas leid, da sie für ihre Überzeugungen sehr viel einstecken muss und dadurch auch gegen Wände läuft, bzw, gegen taube Ohren. Ihr Vater ist derjenige, der auf amüsante und kluge Weise viele Dinge ins Rollen bringt. Frau Müller - Mertens versucht mit wirklich fiesen Methoden Dana aus Haus und Restaurant zu vertreiben. Dana und ihr Vater geben aber nicht klein bei, sondern kämpfen um Danas Existenz. Besonders gefallen hat mir Danas vietnamesischer Küchenchef, der viele Weisheiten einbringt und dadurch nicht nur die vegane Küche aufmischt, sondern auch Dana zum Nachdenken bringen kann. Er ist Trost und Stärke in Danas Kampf im Überleben. Natürlich wurde hier auch eine Liebesgeschichte eingeflochten, die der Roman auch als besondere Würze brauchte, ansonst wäre es wirklich nur um Intrigen und Tofu und Co gegangen. Mich hätte es dadurch weniger berühren oder unterhalten können.

"Alles Tofu, oder was?" ist für mich das zweite Buch der Autorin und ich fühlte mich wirklich wohl und konnte abschalten, schmunzeln und rasend schnell einen Roman beenden, auf den ich zu Lesen lange hingefiebert habe. Es war amüsant wie erwartet und daher vergebe ich eine begeisterte Leseempfehlung an alle, die sich wie ich nach Beenden des Buches nach einem fetten Steak sehnen, welches eben nicht aus Tofu besteht ☺



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