Montag, 25. Mai 2015

Vergebung hat eine Macht die befreiend wirkt




Lori Nelson Spielman

Nur einen Horizont entfernt

Hardcover
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
ISBN: 978-3-8105-2395-2
14,99 Euro

***Von der Autorin der berührendsten Geschichte des Jahres 2014 kommt nun ein Roman über das Verzeihen, der Hoffnung macht.***

Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat … 

Manchmal ist es etwas winzig Kleines, das uns Großes tun lässt.




"Nur einen Horizont entfernt" reizte mich dadurch, da es ein echt brisantes Thema innehat, denn Versöhnung / Vergebung ist keine Leichtigkeit, vor allem, wenn die Wunden sehr tief verwurzelt sind. Nach Lesen der Leseprobe war meine Neugier erweckt. Natürlich war auch das Cover ausschlaggebend und die Tatsache, dass "Morgen kommt ein neuer Himmel" (Rezension -> HIER!) der Autorin mich sehr begeistern konnte, dass der neue Roman Platz in meinem Regal einnehmen musste. Dort blieb es allerdings nicht lange stehen, denn die Neugier gewann schnell die Oberhand. Interessanterweise stecke ich auch in einer Situation, in der das Buch nun sehr passend schien. Wer sein Leben reflektiert, wird sicherlich die eine oder andere Verletzung durch andere erlitten haben oder sogar selbst dazu beigetragen haben, jemanden gegen sich aufzubringen. Ich stecke da gerade tatsächlich fest und das Buch war genau das, was ich benötigte. Etwas zu verzeihen ist wirklich schwer und jemanden um Verzeihung zu bitten manchmal noch schwerer. Den Groll den man aufeinander hegt, kann aber auf jeden Fall hinderlich sein, sich aufeinander zu zu bewegen und ich merke, dass ich im Moment innerlich versteinere. Versteinern - Versöhnungssteine - ein Gedanke, der mir immer wieder kam und den ich sinnig finde. Diese kleine Einleitung empfand ich als nötig, um zu begründen, warum mir "Nur einen Horizont entfernt" so sehr gut gefallen hat. Natürlich ist es vorhersehbar. Natürlich trieft es mitunter vor Kitsch, aber es stecken auch jede Menge Worte im Buch, die man sich vielleicht zu Herzen nehmen sollte. Als Mensch baue ich eine Mauer um mich herum, die mir als Selbstschutz dient, damit Verletzungen an mir abprallen können oder im schlimmsten Fall hinderlich sind, mich Menschen nähern zu können, aus Angst neue Verletzungen hinzuzufügen. Hannah, unsere Protagonistin erscheint daher anfangs des Buches sehr gefühlskalt und oberflächlich, aber erst solange, bis die äußere Schale zerbricht und zu erkennen ist, was sie so hat werden lassen. Ich konnte mich komplett auf sie einlassen und wurde je mehr ich las, richtig warm mit ihr und ihrem Leben. Hannahs Vergebungsstein liegt ihr schwer im Magen, denn die Dinge die sie sagte und tat, führten zu einem Bruch mit ihrer Mutter. Es erschrak mich zutiefst, dass es Hannahs Vater gelungen ist, Hannah zu manipulieren. 

Wirklich glänzen konnte in "Nur einen Horizont entfernt" Dorothy, die trotz ihrer Blindheit vom Licht spricht und mich mit ihren Aussagen zutiefst berühren konnte,

"Ich habe mir immer vorgestellt,dass das Leben eine Höhle voller Kerzen ist, sagte sie. Bei unserer Geburt brennt die Hälfte der Kerzen. Jede gute Tat entzündet eine weitere und spendet etwas mehr Licht.Aber zwischendurch erlöschen auch Flammen durch Egoismus und Gemeinheit. Verstehst du? Einige Kerzen zünden wir an, andere blasen wir aus. Am Ende können wir nur hoffen, dass wir in dieser Welt mehr Licht als Dunkel geschaffen haben." Zitat S. 56

"Für jede Kerze, die wir löschen, entzünden wir eine neue. Welch ein Ausprobieren unser Leben doch ist! Unsere Schuldgefühle und Scham werden von Augenblicken der Demut und Gnade aufgewogen. Am Ende können wir nur hoffen, dass das von uns entzündete Licht die Dunkelheit erleuchtet." Zitat S. 315

Letztendlich vereint "Nur einen Horizont entfernt" vieles in sich, was mich als sehr emotional geprägten Menschen wirklich bewegt hat. Eine Liebesgeschichte, eine Verleumdung, echte tiefe Freundschaft und das annähern von Menschen, die miteinander gebrochen haben. Ich war am Ende des Buches mehr als zufrieden und kann auf eine Story zurückblicken, die absolut brillieren konnte. Vielleicht wird nicht jeder Leser / jede Leserin "Nur einen Horizont entfernt" die Story so wahrnehmen wie ich, denn für mich war es ein Anlass zur Reflexion, die mir sehr gut getan hat. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für eine geniale Grundidee und der Tatsache, dass ich nachdenklich, aber auch befreit zurückblicken kann. 

Kommentare:

  1. Ich bin auch über eine Leseprobe auf dieses Buch aufmerksam geworden und wenn ich mir deine Rezitation so durchlese, wird mir klar, wie gerechtfertigt sein Platz auf meiner WuLi ist.
    Liebe Grüße,
    Agnes

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  2. Oh, das hört sich sehr bewegend und emotional an! Das Buch ist sowieso schon auf meiner WuLi und ich will es unbedingt bald lesen!

    LG Desiree

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