Dienstag, 5. Mai 2015

Roadmovie der Fotografie



Boris Hillen

Agfa Leverkusen

Roman
Hardcover
ISBN: 978-3-10-002282-0
19,99 Euro

Kishone Kumar, ein junger indischer Provinzfotograf, reist 1977 mit seinem besten Freund per Motorrad nach Deutschland. Er will bei den Agfa-Werken in Leverkusen die Technik der Farbfotografie erlernen – und er will in Europa Joan wiedersehen, eine lebenshungrige Journalistin, die er kurz vor der Abreise kennengelernt hat. Über Kabul, Teheran, Istanbul, Gießen und Berlin geht es vom indischen Frühling in den Deutschen Herbst: ein langer Sommer der Freundschaft und Liebe, an dessen Ende alles anders ist – und eine Reise, die erst in unserer Gegenwart endet.




"Agfa Leverkusen" brilliert durch seine Zeitsprünge, die am Anfang eher verwirren, aber irgendwann einen Sinn ergeben, der für die Story wichtig ist. Nicht nur Kishone und Amitabh erzählen ihre Geschichte, sondern auch Sax und Tom, die sich ebenfalls auf einer Reise befinden, wenn auch einige Jahre später. Das Cover verdeutlicht, dass wir uns in den 70er Jahren befinden werden und diese Zeit noch nicht von Farbfilmen geprägt wurden. Kishone, der sich sein Können als Fotograf selbst erarbeitet hat, hegt den Wunsch nach Leverkusen zu reisen, um dort alle Raffinessen und die Kunst der Fotografie in Farbe zu erlernen. Gemeinsam mit seinem Freund Amitabh machen sie sich auf den Weg. Insgeheim hegt Kishone natürlich auch den Wunsch Joan wiederzutreffen, die in unserer Handlung eine recht große Rolle übernimmt, zumindest im Herzen von Kishone.
Faszinierend ist für mich der Schreibstil, der hier gewählt wurde. Eine andauernde hochkarätige Wortwahl, den Umständen und der Zeit angepasst. 
Kishone ist ein Mann, dem es mitunter an Reife fehlt und daher gerät er hin und wieder in Schwierigkeiten, die aber eher belustigen, als erzürnen würden. Amitabh ist eher schwermütig und nimmt mitunter der Handlung ein klein wenig die Farbe, dennoch ist die Freundschaft dieser beiden Männer etwas ganz wunderbares und prägend für das Geschehen, denn es beginnt mit einer gemeinsamen Reise, die dann doch anders verläuft als diese beiden Männer es erwartet hatten. Manchmal strandet und scheitert man einer Stelle seines Lebensweges, bzw. endet eine Reise anders als erwartet wurde. Für uns als Leser ist "Agfa Leverkusen"nicht einen Moment vorhersehbar, da sich das Blatt immer wieder ändert, da es oft auch andere Menschen sind, die Pläne umwerfen, die wir uns gemacht haben. Wir erleben hier eine gewisse Spontanität, auch wenn das Ziel immer noch ist, Fotografie mehr zu erleben und zu erlernen. 
Je mehr man liest, umso mehr Einblicke bekommt man in verschiedenste Kulturen. Die Eindrücke sind bleibend und intensivieren sich mehr und mehr. Mir hat dieses Roadmovie, welches in Indien beginnt und in Deutschland endet sehr viel Spaß gemacht, was natürlich auch an den sehr an den Protagonisten des Buches liegt. Durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens und des Erkennens was wirklich zählt, intensiviert sich auch das Lesen. Irgendwann ist ein Ziel erreicht und ein Ende, ein Erkennen kristallisiert sich heraus. 
"Agfa Leverkusen" hat seine Höhen und Tiefen, wie es auch im Leben üblich ist. Boris Hillen ist es gelungen, uns auf eine einzigartige Reise in die Vergangenheit hinein zu nehmen und im Gegensatz dazu, die Gegenwart mit Sax und Tom äußerst glaubwürdig miteinander zu verknüpfen. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus für einen Roman, der anders war als erwartet und mich begeistert zurücklässt.  




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen