Dienstag, 14. April 2015

Perfekter Thrill mit Horroranteilen



JOSH MALERMAN


Bird Box. Schließe deine Augen

 

Gebundenes Buch
Pappband mit Schutzumschlag
320 Seiten 
ISBN: 978-3-7645-3121-8
€ 19,99  
Verlag: Penhaligon



Ich sehe was, das du nicht siehst - und es ist tödlich...
Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet
 …




"Bird Box - Schließe deine Augen" hat mich mitunter an meine eigenen inneren Grenzen gebracht, da ich mich schon lange nicht mehr so sehr gefürchtet habe während des Lesens eines Thrillers. Es geht hier nicht um Mord und Totschlag wie sonst üblich, sondern um etwas, dem man besser nicht in die Augen sieht. Im Buch wird es als Wesen bezeichnet und auch am Ende ist nicht ganz schlüssig, warum das Wesen / die Wesen Menschen dazu bringt sich gegenseitig abzuschlachten. Es ist manches Mal so unglaublich spannend geschildert, dass mir echte Schauer über den Rücken liefen. Ich las das Buch am Abend und musste es irgendwann zur Seite legen, weil ich befürchtete nicht einschlafen zu können, da ich dermaßen in die Story versunken war und in mir innerlich wieder Ruhe einkehren musste.

Ich identifizierte mich von Anfang an mit Malorie, da ich selbst Mutter bin und alles tun würde, um meine Kinder vor Gefahren zu schützen. Malorie ist in ihrer Erziehung wirklich krass und den Blick auf meine Kinder gerichtet, die sich frei bewegen können und die Schönheit der Welt erkunden können, ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn ich "Junge" und "Mädchen" betrachte.

Stellt euch vor, ihr müsstet in der Dunkelheit leben, da ihr euch vor dem fürchten müsst, was ihr sehen könntet. Ihr müsst Decken vor die Fenster hängen und Augenbinden tragen zum Schutz vor Kreaturen, die euch in den Wahnsinn führen. Entweder würdest du bei ihrem Anblick dich sofort selbst töten oder eben die Menschen die du liebst und wertschätzt mit in den Tod nehmen. Die Vorstellung hat mich ganz rappelig gemacht und ich sah lange keinen Hoffnungsschimmer für Malorie und die Kinder. Die Unsicherheit der Menschen färbt auch auf mich als Leser ab, da irgendwann selbst das Vertrauen in sich selbst zu bröckeln beginnt.

Malorie nimmt uns mit in ihre Geschichte. Gemeinsam verfolgen wir ihr Leben in der Dunkelheit, ihre innere Unsicherheit und den Verlust vieler geliebter Menschen. Sie ist eine der wenigen Überlebenden und führt uns in die Vergangenheit, Gegenwart und in eine hoffentlich bessere Zukunft. Es ist sehr erschreckend in welch Wahnsinn Malorie gefangen ist und welch Leid ihr widerfahren wird. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich beim Lesen wohlgefühlt habe, da es eher ein gefangen genommen war. Die Story, wenn auch sehr grausam, hat mich wirklich begeistert, auch wenn mir in dieser Welt die mir begegnet ist, nichts Schönes oder Freudiges bereithielt. Selbst die Kinder müssen die Dunkelheit ertragen und werden darauf geschult, andere Sinne zu nutzen. Kinder die keine wirkliche Kindheit erleben dürfen und keine Namen besitzen, sondern nur als "Junge" und "Mädchen" betitel wurden, werden in eine Welt geboren, in denen das Leben dunkel und gefährlich ist.

Es ist letztendlich Horror pur, da es von Anfang an beängstigen konnte. Als Leser musste ich bereit sein mich auf die Story einzulassen, um mich verwirren, ängstigen zu lassen und das Gefühl der Hoffnung auf Rettung und einem Leben in Farbe beiseite legen. Die Überlebenden leben in einer Art Blindheit, da ihnen bewusst ist, dass sie nur so überleben können. Eine furchtbare Vorstellung für mich, deren Blick auf die Schönheit des Lebens, die ich mit meinen Augen betrachte, als lebenswert erachte.

"Bird Box" ein außergewöhnlicher Titel, der erst nach und nach einen Sinn ergibt. Ein echtes Thriller Highlight bisher und daher auch gerne eine Leseempfehlung, da es absolut unglaublich war, was an Emotionen in mir hervorgerufen wurden und welch ungewöhnlichen Verlauf die Story nahm. Ich habe mich ohne eine große Erwartungshaltung für das Buch auf BloggdeinBuch beworben und bekam eine Story präsentiert, die mir oft den Atem raubte. Vielen Dank dafür.

1 Kommentar:

  1. Sehr schöne Rezi, du bringst es wirklich auf den Punkt, was man beim Lesen fühlt :) Mir persönlich ist es irgendwie sehr schwer gefallen, meine Eindrücke zu schildern, vielleicht weil sie schon sehr intensiv sind...
    Mir ging es eigentlich ganz genau so wie dir. Ich wollte das Buch abends lesen, aber irgendwann begann ich mich dann doch zu gruseln.

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