Montag, 20. April 2015

Gehe niemals mit Fremden mit




Kate Hamer

Das Mädchen, das rückwärts ging

Im englischen Norfolk verschwindet ein Mädchen. Bei dichtem Nebel scheint die achtjährige Carmel wie vom Erdboden verschluckt. Es gibt keine Hinweise, niemand hat sie gesehen, die Polizei tappt im Dunkeln. Carmels Mutter Beth, seit kurzem wieder Single, gibt sich voller Verzweiflung selbst die Schuld: Hat sie Signale übersehen, nicht genug achtgegeben auf ihr einziges Kind? Carmel ist ein besonderes Mädchen: Sensibel und reifer als andere in ihrem Alter, verhält sie sich oft rätselhaft, wirkt abwesend, verträumt. Zwischen Hoffnung und Ohnmacht sucht Carmels Mutter schließlich selbst nach ihr. Schritt für Schritt geht sie zurück in der gemeinsamen Zeit, denn jede Kleinigkeit zählt. Für Carmel beginnt währenddessen eine lange und ungewöhnliche Reise. Spannend bis zur letzten Zeile erzählen Beth und Carmel im Wechsel diese zutiefst bewegende Geschichte über eine Mutter und ihr verloren gegangenes Kind.
Arche Literatur Verlag
Hardcover
416 Seiten

16,99 Euro
ISBN 978-3-7160-2724-0



LESEPROBE!




"Das Mädchen, das rückwärts ging" war für mich ein äußerst beklemmendes Buch, da ich als Mutter immer die Sorge habe, dass mir jemand mein Kind nehmen könnte. Auch wenn man den Kindern beibringt niemals mit einem Fremden mitzugehen, passiert es doch und für Eltern beginnt ein wahrer Alptraum, gefangen zwischen Hoffnung und Ängsten. Beth ist ruhelos und es dauert lange bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen kann. Der Schmerz um den Verlust sitzt tief und kann wahrscheinlich auch nur dann begreiflich werden, wenn man selbst Kinder hat und dieses Bangen, Warten und Hoffen mitfühlen kann. Gramps der es sehr geschickt anstellt Carmel zu entführen, trifft Carmel genau dort, wo wahrscheinlich jedes achtjährige Mädchen mitgegangen wäre. Welches Ziel er dabei vor Augen hat, wird mir erst spät bewusst und auch wenn er Carmel keine Schmerzen zufügt, ist es doch ein Missbrauch. Er nimmt einem Kind die Mutter und einer Mutter ihr Kind. Carmel, ein Name wie Karamell, hat eine tiefe Sehnsucht nach ihrer Mutter und mag sich lange nicht mit ihrem Schicksal abfinden. Auf Lügen aufgebaut bindet Gramps Carmel an sich und hat dabei seine eigenen hochgesteckten Ziele. Für ihn ist Carmel etwas ganz Besonderes und dabei missachtet er, dass er sich strafbar macht.

Ich empfand das Buch als äußerst schmerzlich, denn auf jeder Seite springt mir der Verlust und die Trauer über die Trennung von Mutter und Tochter entgegen. Der Autorin ist es gelungen ein äußerst emotionales Buch zu erschaffen, welches mich sensibilisiert erneut mit meiner Tochter zu sprechen, damit sie eben nicht mit einem Fremden mitgeht, egal, was er ihr erzählen wird.

Die verschiedenen Erzählperspektiven machen "Das Mädchen, das rückwärts ging" zu einem Buch, welches absolut authentisch auf mich wirken konnte. Der Wahnsinn der mir förmlich entgegen sprang und die Gier nach Geld und Anerkennug empfand ich als äußerst befremdlich. Gamps, der sich selbst als Mann Gottes sieht, übersieht leider, dass ein Leben auf Lügen aufgebaut ist, nicht vor dem Gericht schützen wird. Als er zu begreifen beginnt, ist schon sehr viel Zeit vergangen und der rote Mantel den Carmel am Tag ihres Verschwindens trug, passte schon lange nicht mehr.

Ein bewegendes Buch, welches wirklich hochkarätig ist, so wie ich sie vom Arche Verlag erwartet hatte. Es liest sich flüssig und lässt den Leser / die Leserin wie gebannt zurück. Vielen Dank dafür. Leseempfehlung! 

1 Kommentar:

  1. Huhu Mel,

    schon beim Lesen deiner Rezension steigt in mir der blanke Horror auf. Eben genau deshalb, weil das tatsächlich auch eine meiner größten Ängste ist. Das ist genau der Grund, warum man zwar Vertrauen in sein Kind hat, aber trotzdem immer ein flaues Gefühl im Magen hat, wenn es zum Spielen raus geht. Ich befürchte fast, dass man seinem Kind das noch so sehr eintrichtern kann, es wird immer böse Menschen geben, die einen Weg finden ein Kind zu entführen.
    Ich glaube dir, dass das Buch gut ist, aber wahrscheinlich ist es viel zu emotional für mich.

    LG
    Anja

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