Dienstag, 7. April 2015

Auf der Suche nach Akzeptanz




John Boyne Illustrator: Oliver Jeffers

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

Roman
Taschenbuch
Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel
ISBN: 978-3-596-81193-9
7,99 Euro

Vom Mut, anders zu sein

Eine wunderbar phantasievolle Parabel von John Boyne, dem Autor von ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹ - nicht nur für Kinder 

Die Brockets sind eine absolut normale Familie – bis auf Barnaby. Denn der schwebt! Und so gern er es auch lassen würde, es gelingt ihm nicht. An einem schicksalhaften Tag geschieht das Unfassbare: Barnaby schwebt davon, immer weiter, hoch in den Himmel hinein. So beginnt eine magische Reise durch die Welt, in der Barnaby höchst sonderbare Abenteuer erlebt. Er lernt eine Reihe kurioser und liebenswerter Freunde kennen. Und am Ende begreift er, dass er so normal wie seine Eltern gar nicht sein möchte: Er ist froh, anders zu sein.


Leseprobe auf der Verlagsseite verfügbar!



"Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket" ist ein sehr amüsantes Buch, wobei es auch Stellen gab, die mich nachdenklich stimmten, sauer und wütend gemacht haben. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Brockets alles andere als ungewöhnlich sein wollen und mit einem Sohn der schwebt maßlos überfordert sind. Barnaby schafft es einfach nicht, der Schwerkraft zu trotzen und entwickelt sich daher als Freak. Seine Eltern unternehmen grausames, um ihr Kind loszuwerden. Völlig unverständlich für mich, aber für Barnaby der Anfang eines großen Abenteuers. Barnaby ist 8 Jahre alt, als sich seine Eltern von ihm trennen und ihn buchstäblich entschweben lassen. Auch wenn es schmerzlich ist und echter Verrat, hat Barnaby Heimweh nach Sydney und durch diesen und jenen Umstand dauert es sehr lange, bis er wieder zuhause ist und erneut auf seine Eltern trifft.
Von John Boyne bin ich Romane gewohnt, die zum Nachdenken anregen, daher war ich erstaunt über eine Abenteuergeschichte, die aber genau dann, wenn man sie zwischen den Zeilen liest, doch echten Tiefgang beweist. Natürlich ist es schwierig sich der Herausforderung zu stellen, ein Kind zu haben, was sich von anderen unterscheidet, aber ist es deshalb ein Grund, dieses Kind um jeden Preis loszuwerden oder operieren zu lassen, damit es angepasst leben kann? Eigentlich schmerzt es mich sehr, dass Barnabys Eltern ihren Sohn nicht einen Moment vermisst haben. Nicht sahen, wie viel Angst und Hunger er verspürt hat, als er mutterseelenallein in der Welt unterwegs war. Viele Menschen waren ihm wohlgesonnen, haben ihm Liebe und ein gutes Gefühl vermittelt. All dies, was seine Eltern nicht vermochten. Letztendlich empfand ich die Story als nicht nur rein fiktiv, sondern ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir uns unsere Kinder nicht stricken oder backen können, sondern sie annehmen sollten, wie sie uns geschenkt werden. Sollen sie doch schweben, na und?

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an ein Buch, welches mich auf der einen Seite sehr amüsieren konnte, aber auf der anderen Seite im Blick auf Barnabys Eltern sehr empört hat! Wieder einmal habe ich festgestellt, dass John Boyne immer eine gute Wahl ist.

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