Freitag, 6. März 2015

Leichenfund



ELISABETH HERRMANN

Der Schneegänger


Kriminalroman

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten 
ISBN: 978-3-442-31386-0
€ 19,99  
Verlag: Goldmann



Vier Jahre sind seit dem Verschwinden des kleinen Darijo vergangen. Damals forderten die Erpresser eine Million Lösegeld. Doch die Familie des Jungen ist arm. Sollte der Sohn des Multimillionärs Reinartz an seiner Stelle entführt werden? Als im kältesten Winter seit Jahrzehnten das Skelett des Jungen entdeckt wird, muss die junge Polizistin Sanela Beara, inzwischen Studentin an der Polizeihochschule, dem Vater die schlimme Nachricht überbringen. Die Begegnung mit dem gutaussehenden Biologen löst nicht nur Gefühle, sondern auch Zweifel in ihr aus. War es wirklich eine Entführung? Alle Beteiligten verschanzen sich hinter einer Mauer des Schweigens. Für Sanela Beara gibt es nur eine Chance, Licht ins Dunkel zu bringen: Als verdeckte Ermittlerin nimmt sie die Rolle des Hausmädchens in der schwerreichen Familie Reinartz ein – denselben Platz, den auch Darijos Mutter Lida einst innehatte ...


LESEPROBE!





"Er geht weg von mir. Jeden Tag ein Stückchen mehr. Ich möchte ihn festhalten, aber es ist, als ob er immer heller und blasser würde, als ob er verschwindet, mitten in einer weißen Landschaft. Als ob er hinaus in ein weißes Licht geht, bis er verschwunden ist. Ein Schneegänger. Ich kann ihn bald nicht mehr sehen." Zitat S. 258



"Der Schneegänger" ist ein solider Krimi, der mich als Leser immer wieder auf falsche Fährten geführt hat. Das Lesen ist flüssig und bietet spannungsreiche Lesezeit. Als die Leiche des kleinen Darijo gefunden wird, steht die Polizei vor einem Rätsel, denn schnell steht fest, dass das Kind ermordet wurde. Wer aber kommt für die Tat in Frage? Es werden Dinge aufgedeckt, das sich mir die Nackenhaare aufstellen. Wir treten ein in menschliche Abgründe und es ist mir unbegreiflich, wie gefühlskalt und lieblos sich Menschen verhalten. Das Ende hätte ich so nicht erwartet, obwohl genau darauf hingezielt wurde. Nicht unbedingt ein Überraschungseffekt, dennoch für mich als Leser unbegreiflich.
Uns begegnen die unterschiedlichsten Personen und manche sind uns suspekt, andere unsymphatisch, da äußerst arrogant und andere wiederum bekommen von Anfang an einen Bonus, da sie sehr interessant erscheinen. Sanela Beara, die sich in das Haus der Familie Reinartz einschleust, kommt Dingen auf die Spur, die sich mir nicht erschließen, da ich es als unmenschlich und unwürdig empfunden habe. Manche Tatsachen hinterlassen mich fassungslos, da mir das Herz fehlt. Selbst Mutterliebe konnte ich nicht erspüren, obwohl Lida nachdem Darijos Leiche gefunden wird zusammenbricht. Nachdem die Mauer des Schweigens endlich zusammenbricht, stehe ich einem Ergebnis gegenüber, welches mich sprachlos macht, über die fehlenden Emotionen der Protagonisten.
"Der Schneegänger"  hat es geschafft, seinen Spannungsaufbau nach und nach zu steigern. Es ist nicht sofort ersichtlich, wer hier Täter ist, denn dazu machten sich viel zu viele Personen verdächtig. Es ist ein hartes Stück Arbeit für die Polizei nach vier Jahren aufzudecken, wer eher unbeteiligt oder beteiligt war. Es wird gemauert und als Leser stellt man selbst die eine oder andere Vermutung an, die sich zwar hier und da zerschlägt oder eben auch bestehen bleibt, durch die fehlende Sympathie zu den Beteiligten in dieser recht spannenden Story. Im Gesamtergebnis ließ sich "Der Schneegänger" zügig lesen und bescherte mir als Leser einen soliden Krimi, der sich zu lesen lohnte. Leseempfehlung! 




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