Montag, 16. März 2015

Erschreckend realistisch





Peer Martin

Sommer unter schwarzen Flügeln



Text von Peer Martin
Einbandgestaltung von Büro Süd GmbH

Ein Buch, das die Augen öffnet: verstörend, poetisch, engagiert.

Nuri kommt aus Syrien und lebt im Asylbewerberheim. Calvin wohnt nur wenige Häuser weiter und ist Mitglied einer rechten Jugendgang. Als sie sich kennenlernen, erzählt Nuri ihm von ihrem Heimatdorf am Rand der Wüste und von dessen Schönheit. Doch dann kamen die Schwingen des Bösen und legten sich über das ganze Land. Je mehr Calvin über das Mädchen mit den dunklen Augen erfährt, desto mehr verliebt er sich in sie. Calvin möchte seine Gang verlassen – doch so einfach entkommt er seinen alten Freunden nicht.

Eine ergreifende Liebesgeschichte inmitten sozialer Konflikte, voller Poesie und Schönheit. Ein schmerzhaft ehrliches Gesellschaftsporträt mit einer "Romeo und Julia"-Geschichte eigener Art.

www.unter-schwarzen-fluegeln.com

Leseprobe

Zum E-Book

OETINGER
528 Seiten · gebunden
ab 16 Jahren
EUR 19,99  
ISBN-13: 978-3-7891-4297-0




"Sommer unter schwarzen Flügeln" lässt mich fassungslos zurück, da es so realistisch geschrieben wurde und zum aktuellen Zeitgeschehen passt, wie die Faust aufs Auge. Es wirkte mitunter sehr beklemmend auf mich durch die Gewalt, die in Syrien herrscht, aber auch in Deutschland zu finden ist. Wer die Nachrichten genauer betrachtet, wird feststellen, dass Ausländerfeindlichkeit keine Fiktion ist, sondern mitten unter uns zu finden ist. Ich gehöre zu den Menschen, die andere nicht in Schubladen steckt, nur, weil ihre Hautfarbe, Herkunft oder auch Religion eine andere ist als meine. Es macht sich in mir Unsicherheit bereit, wenn ich lese, dass es Menschen gibt, die sich das Naziregime zurückwünschen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um Asylanten, die hier bei uns Schutz suchen, derbe drangsalieren. Ist es wirklich so, dass sie besser behandelt werden vom Staat? Warum macht sich Eifersucht breit? Neid? Die Menschen haben alles verloren. Ihre Heimat, ihren Besitz und durch den Krieg vielleicht auch einen großen Teil ihrer Familie. Worauf sollte ich also neidisch sein? Eher wäre es so, dass ich unglaubliches Mitleid habe, denn ihre Erfahrungen ähneln Alpträumen. In diese Alpträume entführt uns Nuri, denn nach und nach lässt sie uns teilhaben an ihrer Geschichte. Sie erzählt sie unverblümt, trotz aller Schrecken, dennoch bekommen auch die Farben und Gerüche aus Syrien ihren Platz zugewiesen. Für uns als Leser ist es eine intensive, schmerzliche Reise inmitten eines Krisengebietes. Hinein in Angst und Schrecken, ohne uns zu schonen.
Für mich ist "Sommer unter schwarzen Flügeln" ein sehr intensives Leseerlebnis gewesen, welches verdient, weiterempfohlen und rezensiert zu werden. Die Liebesgeschichte zwischen Calvin und Nuri ist wundervoll, aber dennoch habe ich mehr um das Leben der Menschen im Asylantenheim gezittert. Wie viel Hass ist möglich, dass man unschuldige Menschen sterben lassen würde, um auf sich und seine Gesinnung aufmerksam zu machen? Sprachlos und fassungslos blicke ich zurück und erschrecke über die Realität des Romans. Ich war völlig gefangen in einer sehr bildhaften Geschichte, die das Kriegsgeschehen bildhaft nahe bringt und dennoch möglich macht, sich trotz aller Unterschiede zu verlieben. Es nimmt nicht den Schrecken, sondern erzeugt neuen Schrecken, denn Gewalt findet nicht nur in Syrien statt, sondern mitten unter uns. Was den Hass auf andere Hautfarben und Herkunft schürt, wird mich immer vor ein Rätsel stellen, dennoch bin ich überzeugt, dass "Sommer unter schwarzen Flügeln" gerade von der Zielgruppe (ab 16 Jahren) gelesen werden muss. Zutreffend wie vom Verlag beschrieben, werdet ihr eine moderne Romeo und Julia Geschichte entdecken, die nachdenklich zurücklässt. Wundervolle Protagonisten, die sich mitunter erst Sympathiepunkte verdienen müssen, runden die Story ab und geben ihr sehr viel Authentizität. Einmal angefangen zu lesen, war ich gefangen und es fällt mir schwer los zu lassen, da ich mich irgendwie mit Nuri und Calvin anfreunden konnte, Das Ende hat mich verstört, da ich Hoffnung und Frieden erwartet hätte, aber im Nachhinein denke ich, dass es unpassend gewesen wäre, denn wir befinden uns nun einmal nicht in einer Friede - Freude - Eierkuchen - Welt. Rundum gelungen und lesenswert!



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