Montag, 2. Februar 2015

Liebe Lucy




Julie Sarkissian

LIEBE LUCY

"Die beste Person, der du ein Geheimnis erzählen kannst, bist du selbst"
Lucy ist ein ungewöhnliches Mädchen mit einem ungewöhnlichen Blick auf die Welt. Die Leute schütteln den Kopf über sie, sie ist viel zu langsam und immer fehlen ihr die Wörter. Aber dafür hat sie ja Jennifer, das sprechende Küken in ihrer Schürzentasche. Leider verhält sich Lucy nicht immer so, wie es ihrer Mutter gefallen würde, sie hat einfach kein gutes Benehmen. Deshalb lebt sie auf die Farm von Mister und Missus, einem älteren Ehepaar. Hier trifft sie Samantha, ein schwangeres Mädchen. Die beiden freunden sich an - auch wenn Samantha nicht immer die Wahrheit über ihre Vergangenheit erzählt. Dafür sagt sie die Dinge so, dass Lucy sie versteht. Nach und nach finden die beiden heraus, dass Mister und Missus ein finsteres Geheimnis haben. Als Samanthas Baby kurz nach der Geburt verschwindet, verspricht Lucy, es wiederzufinden, und "ein Versprechen ist etwas, das du niemals vergessen darfst, nicht einmal, wenn du so tust, als hättest du es vergessen." Also macht sie sich auf die abenteuerliche Suche nach Samanthas Baby.



Verlag:                          Hoffmann und Campe
ISBN:
978-3-455-60003-2 

Seiten:                          384
                                    19,99 Euro








"Liebe Lucy" sieht auf den ersten Blick auf das Cover sehr zart aus, bietet für uns als Leser aber eine schmerzliche Geschichte, die sich erst nach und nach offenbart. Zarte Eierschalen und eine Feder wirken für mich zerbrechlich, aber es täuscht, denn die Story die sich im Buch offenbart ist eher bewegend und nachdenklich stimmend.
Julie Sarkissian erzählt eine Geschichte, in der ich mich zwar sehr wohlfühlte, die mich aber auch erschüttert. Für mich ist nicht ganz klar, in welcher Zeit die Story spielt, denn heute würde sicherlich einiges anders verlaufen. Ein Kind mit Behinderung würde heute genügend Förderung bekommen, damit Lucy die Worte die ihr fehlen lernen könnte. Samantha müsste ihre Schwangerschaft nicht verbergen und niemand würde mit dem Finger auf sie zeigen, da sie ungewollt schwanger geworden wäre. Selbst für Missus wäre es vielleicht möglich, ein Kind zu bekommen. Ihr Denken, Sex wäre nur dazu da, um Kinder zu bekommen kam mir sehr veraltet vor.
Da die Story aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird, bekommt sie erst nach und nach einen Sinn. Zuerst sehen wir nur drei weibliche Personen, die der Geschichte nach und nach einen Rahmen geben. Mal aus recht kindlicher, naiver Sicht, dann aus der Sicht eines schwangeren Teenagers und dann aus der Sicht einer Erwachsenen Frau, der es verwehrt wurde ein Kind auszutragen.
Lucy wirkt naiv und es klingt hervor, dass sie eine Behinderung haben muss, derer sich ihre Mutter schämt. Lucy bringt sie in unmögliche Situationen und daher wird aus ihr Lucy - auf - der Farm. Abgeschoben, damit ihre Mutter sich ein besseres Leben aufbauen kann? In ihr Leben passt Lucy nicht hinein. Auf der Farm verbringt Lucy ihre Zeit damit kleine Hilfsdienste zu erledigen. Sie ist für mich diejenige, die am authentischsten dargestellt wurde, denn wie sich im Nachhinein rausstellt, haben Missus und auch Samantha jede Menge Geheimnisse. Das Lügengespinst um die beiden herum gerät ins Wanken.
Insgesamt bietet "Liebe Lucy" viel Raum für eigene Spekulationen und bleibt dabei sehr spannend. Der Schreibstil ist eigen, aber dennoch leicht zu lesen. Ein wunderbares Buch, welches aufzeigt, dass wir Menschen Wärme und Geborgenheit benötigen und diese auf unsere individuelle Art und Weise suchen. Im Nachhinein ist das Buch eher traurig, da der Schmerz der drei Protagonisten deutlich wird, dennoch bietet es auch viel Schönes, da Lucy einfach nur wunderbar ist und auch das "Liebe Lucy" einen Sinn ergibt.

Gerne eine Leseempfehlung für ein sehr außergewöhnliches Buch, welches anders war als erwartet, aber mich mehr als nur begeistert zurücklässt.


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