Montag, 26. Januar 2015

Wortaufstand der Satzbekenntnisse




Lilly Lindner

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Roman
Taschenbuch
ISBN: 978-3-7335-0093-1
9,99 Euro


Erscheinungstermin: 19.2.2015



DAS ERSTE JUGENDBUCH VON BESTSELLERAUTORIN LILLY LINDNER

Lilly Lindner ist ein Phänomen. Sie ist ein außergewöhnliches Schreibtalent. 
Nun hat sie ihr erstes Jugendbuch geschrieben und trifft mit ihrer glasklaren und poetischen Sprache jeden Leser direkt ins Herz.

April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen. Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit, zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie versteht, wie unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat.


LESEPROBE auf der Verlagsseite verfügbar oder HIER!




"Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" ist eines der Bücher, die ganz tief innen berühren, da sie eine fast schon zu deutliche Sprache sprechen. Nach Beenden des Buches, war ich eine ganze Weile lang fassungslos und den Tränen nah. Ich bin überzeugt, dass "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" die Leserschaft spalten wird und zwar in diejenigen, die sich ganz tief hineinfühlen können und in diejenigen, denen der Roman zu aufgesetzt erscheint. "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" lebt durch seine Worte und seinen Tiefgang, zumindest habe ich es so empfinden dürfen. Es gab so viele Sätze im Buch, die mich zum Nachdenken gebracht haben oder mir schmerzhaft bewusst gemacht haben, wie kostbar das Leben ist und man keinen Tag davon verschenken sollte. Ich bin der Autorin sehr dankbar für ihre deutliche Sprache, auch wenn sie nicht immer zu einem 9 Jährigen Mädchen wie Phoebe es ist passend erschienen. Soviel Weisheit und starke Wortauswahl scheint irgendwie unpassend, obwohl, wenn ich mir Phoebe und April näher betrachte, ist es auf der anderen Seite doch wieder maßgeschneidert.


"Rücksicht nehmen ist eine schöne Wortzusammensetzung. Weil es klingt, als würde man sich umdrehen, jemanden sichten und dann zurückgehen, um für ihn da zu sein" Zitat S. 38


" Wenn ich ein Wort wäre, dann wäre ich ein Bindungswort. Und dann würde ich so viele Worte an mich binden, das ich am Ende ein ganzer Satz wäre. Und dieser Satz würde alles über meine Bindungsfähigkeit aussagen. " Zitat S. 167


Die Aussagen des Buches sind recht einfach, denn wir lesen hier von einer heimtückischen Krankheit, die April komplett in ihre Fänge gezogen hat. Magersucht! April ist dabei sich komplett selbst zu verlieren und die Hintergründe werden erst so nach und nach klar. Mich hat es ehrlich gesagt fassungslos und wütend gemacht. Ich möchte es nicht weiter ausführen, da ich zu sehr spoilern würde. Für mich ist "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" ein Buch, welches unbedingt gelesen werden sollte. Die Reaktionen von Aprils Eltern werden mir zwar niemals schlüssig sein, dennoch stellt sich ganz klar heraus, was Kinder in eine Essstörung ziehen könnte. Fehlendes Selbstbewusstsein, mangelnde Liebe und Aufmerksamkeit? In jedem von uns steckt der Wunsch so angenommen zu werden, wie wir sind und nicht in unserem Wissensdurst gemaßregelt zu werden.

"Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" ist in zwei Teilen aufgebaut. Der erste Teil erzählt Phoebes Sicht der Dinge und der zweite Teil ist ein klein wenig als Antwort auf Phoebes drängenden Fragen an ihre ältere Schwester, ihre Wortverwandte zu lesen. Mich hat das Buch gestern dermaßen aufgewühlt, das ich eine kurze Pause einlegen musste, da ich es als sehr schmerzhaft empfunden habe. Mir fehlte auch oft das Verständnis für Aprils Eltern und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich sie richtig geschüttelt, um sie zur Vernunft zu bringen. Das Schreien ist in dieser Familie an der Tagesordnung, daher wäre es vielleicht auch nicht schlimm gewesen, wenn ich sie angeschrien hätte, obwohl ich vermute, dass ich auf taube Ohren gestoßen wäre. Ich finde für mich persönlich keine Erklärung für das Denken und Handeln der Eltern. Aprils Schreie bleiben ungehört und daher zieht sie sich zurück. Irgendwann ist der Schritt ins Leben zurück viel zu groß und April zieht sich in ihr Schweigen zurück.

"Ich verstehe dich, April, denn manchmal will ich auch kein Wort mehr sagen. Denn wenn sowieso niemand zuhört, ist es leichter, still zu sein. Und vor allem ist es weniger anstrengend." Zitat S. 256

In diesem Roman begegnen uns viele wunderbare Dinge, die durch Worte geschehen, aber auch viel Schreckliches, Grausames, die eben auch durch Worte geschehen können. Es zeigt, das auch Worte manchmal der Grund allen Übels sein können. Durch Worte kann Wärme entstehen, aber auch tiefste Einsamkeit. Wählen wir unsere Worte einfach mit mehr Bedacht!


Von mir gibt es eine Leseempfehlung für "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin", da es in meinen Augen ein ganz besonders Buch war. Todtraurig, aber dennoch auf seine eigene Art und Weise wunderschön, obwohl in mir das schmerzhafte doch überwogen hat. Ehrlich gesagt bin ich mir unsicher, ob ich jemals ein Buch gelesen habe, in dem ich gleichermaßen wütend und glücklich war und das alles auf einmal.

Kommentare:

  1. Wirklich ganz fantastisch gut geschriebene Rezi! Ich kenne bisher nur die Leseprobe, aber mein bisheriger Eindruck entspricht voll und ganz dem deinen. Sicherlich ein besonderes Buch, das ich auch noch lesen möchte.

    LG
    Anja

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  2. Ein Buch, das ich definitiv früher oder später auch lesen werde. Von der Autorin habe ich schon so viel Gutes gehört, es wird Zeit, dass ich endlich mal etwas von ihr lese! ;-)

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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