Mittwoch, 21. Januar 2015

Gestörte Totenruhe





TANJA NOY

Todesruhe


ISBN 978-3-95649-092-7416 Seiten
9,99 EUR  
"Schalldämpfer." 
"Wie zum Teufel sollten die Herrschaften hier an einen Schalldämpfer gelangen?"
"Gegenfrage: Wie zum Teufel sind die Herrschaften hier an eine Pistole gelangt?"

Wer hat den Patienten der Nervenheilanstalt "Mönchshof" erschossen und ihm die Augen herausgerissen? Julia Wagner und Zander, ihr ehemaliger Partner aus Polizeitagen, sind auf der Suche nach einem Mörder in der geschlossenen Psychiatrie. Während die beiden drinnen dunklen Geheimnissen auf die Spur kommen, rüstet sich außerhalb der Mauern ein mächtiger Feind aus Julias Vergangenheit für seinen nächsten Schlag - denn die Jagd auf Julia ist nun eröffnet ...





"Todesruhe" ist der zweite Band einer Thrillerreihe. Für mich war es das erste Buch der Autorin und auch wenn ich "Teufelsmord" nicht gelesen habe, konnte ich der Handlung des Thrillers problemlos folgen. Natürlich fließt das eine oder andere aus dem Vorgängerbuch in die Story ein, verwirrt aber nicht, sondern gibt lediglich Aufschluss über die Geschehnisse zuvor. Julia Wagner steht auch zuerst nicht im Mittelpunkt, sondern bleibt eine Nebendarstellerin.

Ein Zitat auf S. 33 des Thrillers "Aber die Vergangenheit lässt sich nicht übertünchen, egal, was wir auch versuchen. Zu vieles bleibt tief in uns verankert und stößt uns immer wieder an, damit wir es nur ja nicht vergessen. Es quillt hervor wie flüssige Lava, und alles, was ihm in den Weg gerät, zerfällt zu Asche" ist genau das, was uns begegnet. Julia Wagner, die dem Tod entkommen konnte, aber alles, was in ihrer Vergangenheit geschehen ist, ausblendet. Sie zieht sich komplett zurück und auch als der erste Mord in der Nervenheilanstalt "Mönchshof" geschieht, schafft sie es nicht aus ihrem Schneckenhaus zu kriechen, so stark sind ihre Ängste. Nervenheilanstalt klingt in meinen Ohren ziemlich abgedroschen und fast schon altertümlich, Psychiatrische Klinik hätte ich auch passend gefunden und jeder hätte etwas damit anfangen können, oder? Im Nachhinein ist es aber dennoch passend, da alte Tagebucheintragungen immer wieder in das Geschehen mit einfließen.

Besonders fasziniert hat mir die Beschreibung der Klinik und die Menschen die sich dort befinden. Der Klinikalltag ist besonders hervorgehoben und lässt mich hoffen, nie eine der Psychosen in meinem Leben Einlass zu gewähren. Demenz ist etwas was man sich nicht aussuchen kann, aber Alkohol oder Kokainsucht ist eine Krankheit, die nicht erst aufkommen muss. Die eine und andere Person bekommt mehr Raum in der Story und die andere weniger, dennoch ist jede beschriebene Person wichtig und gibt durch ihre Persönlichkeit der Story etwas Farbe. Wie im echten Leben gibt es Menschen, denen sind wir eher zugetan als anderen, da sie uns unangenehm sind. Verlogenheit, Arroganz oder Aggressivität sind Eigenschaften, die ich mir nicht aneignen möchte und gerade dieses dient oft der besonderen Würze eines Thrillers. Faszinierend ist die Tatsache, das die Klinik über einen wundervollen Park verfügt, der aber von den Patienten nicht genutzt werden darf. Es hat also auch einen gewissen Touch von Eingesperrtsein und Fremdbestimmung. Ist es da ein Wunder, wenn Menschen durchdrehen oder gibt es einen anderen Grund für einen Mord? Oder ist alles nur eine Inszenierung, um die Polizei zu verwirren?

"Todesruhe" habe ich gestern recht zackig gelesen, denn es verfügt über eine gewisse Spannung, die es schwer machte, das Buch zur Seite zu legen. Nicht einen Augenblick hatte ich einen Verdachtsmoment und konnte dem Ende daher komplett voreingenommen entgegentreten. Mich hat es förmlich umgehauen, denn echter Wahnsinn kommt zum Vorschein und zeigt auch auf, wie schnell wir Menschen zu unseren Zwecken missbrauchen können. Letztendlich war ich sehr zufriedengestellt, obwohl einige Fragen offen geblieben sind, gerade was die Person der Julia Wagner betrifft. So wirklich darüber hinwegtrösten konnte auch die Leseprobe zu "Höllenfrost" nicht, welches im Juli 2015 im Mira Taschenbuchverlag erscheint.


Im Gesamtergebnis ist "Todesruhe" ein solider Thriller, der recht schnell an Spannung zunimmt und diese immer mehr erhöhen kann. Als Leser werde ich immer wieder auf falsche Fährten gelockt und auch der Engel auf dem Cover, der an einen Grabstein erinnert, bekommt immer mehr Bedeutung. Am Ende entlädt sich die Story mit einem gewaltigen Schwung, der mich regelrecht atemlos vor Spannung gemacht hat. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, an all diejenigen, die echtem Wahnsinn nicht abgeneigt sind.


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