Freitag, 5. Dezember 2014

Menschen in Serie?




Chantal-Fleur Sandjon

Serienunikat

ab 16 Jahren
320 Seiten
ISBN 978-3-8390-0168-4
Klappenbroschur
14,95 €


Wir rasen unserem eigenen Atem hinterher dem Horizont entgegen und wünschen uns Flügel. Würden wir abheben, so wäre es nicht verwunderlich. Wir sind grün und digital, hoffnungsvoll und realistisch, Weltverbesserer und Weltenbummler, verliebt und verlebt, vernetzt und ungebunden, haben die Taschen voll unreifer Ideen und den Kopf voll einstürzender Erwartungen unserer Eltern. Wir sind 100.000 Unikate – in Serie. Und eines davon bin ich, Ann-Sophie …

Sie hat die Nase voll. Von verstaubten Ansichten und den Erwartungen, dass ihre Zukunft eine ausgeblichene Version des Lebens ihrer Eltern sein soll – nur mit Facebook-Profil und Twitter-Updates auf den neuesten Stand gebracht. Hals über Kopf flüchtet die 20-jährige Ann-Sophie nach Berlin, 644 Kilometer weit von den Eltern entfernt und um 3,5 Millionen Einwohner größer als ihr Heimatkaff. Dort hofft sie herauszufinden, was sie vom Leben will. Doch wie macht man das in einer Welt der unendlichen Möglichkeiten?

Das belletristische Debüt der deutsch-afrikanischen Jungautorin Chantal-Fleur Sandjon ist ein unterhaltsames Portrait der Generation Y über Selbstfindung, Erwachsenwerden und das Hipster-Leben in einer Berliner WG. 





LESEPROBE! auf der Verlagsseite verfügbar





Leider muss ich gestehen, dass ich mit dem Debüt der Autorin "Serienunikat" nicht wirklich warm geworden bin. Generation Y, ein Buch der Selbstverwirklichung, des Erwachsenwerden innerhalb der Metropole Berlins empfand ich als zu gestellt. Mich hat das Buch in keinster Weise berührt, obwohl es auch nicht so schlecht war, dass ich es hätte abbrechen wollen. Positiv anzumerken, ist das Abnabeln von Ann - Sophie, deren Eltern auch aus der Ferne versuchen ihr Leben zu bestimmen und zu steuern. Eigentlich haben sie schon alles für ihre Tochter geplant und lassen ihr kaum Raum um sich zu entfalten. Eigentlich könnte Ann - Sophie mir schon fast leid tun, aber da ich ihr wenig Sympathie entgegenbringen konnte, fällt das auch fast flach. Ist es wirklich üblich Drogen auszutesten, um Studium und Job unter einen Hut zu bringen? Manches im Buch war mir einfach unerklärlich und hat mir schon fast Angst gemacht, wie leichtfertig die jungen Leute mit ihrem Leben umgehen. Vielleicht bin ich auch einfach schon zu alt für derlei Buch? Vielleicht habe ich schon begriffen, dass es auch ohne Drogen geht? Ich vermute einfach, das ich nicht zur erwählten Zielgruppe gehöre und deshalb "Serienunikat" in meinen Augen ein Fehlgriff war. Natürlich ist die Botschaft des Romans sehr gut, denn um uns selbst zu finden, müssen wir ausbrechen, damit wir nicht in die vorgeschriebenen Formen unserer Eltern passen, dennoch empfand ich die Person Ann -Sophie als unreif und nichtssagend. Vielleicht waren es ihre Eltern, die sie in ihrem Tatendrang gehindert haben? Jeder Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen dürfen und dabei vielleicht auch hin und wieder auf die Nase fallen, aber wenn sogar der Freund der Tochter dazu dient die neue Lebensweise des einzigen Kindes auszuspionieren, empfinde ich dieses als verwerflich. Einzig die Stadt Berlin konnte glänzen und mich wieder einmal faszinieren.
"Serienunikat" hat mich weder berührt, noch begeistert. Warum ich dennoch 3 Sterne vergebe? Die Idee des Buches ist sicherlich als sehr gut einzustufen, denn ein Fünkchen Wahrheit über die Lebensweise der einzelnen im Buch beschriebenen Menschen kann ich nicht absprechen. Ich kann mich nur leider nicht damit identifizieren, daher konnte das Buch sicherlich nicht so auf mich wirken, wie es auf jemanden wirkt, der sich in eben solcher Situation befindet. Das wir uns frei entfalten müssen ist eine Tatsache, der wir uns nicht entziehen können, denn sonst wären wir alle "Menschen in Serie" und keine Unikate. Wir würden uns im Denken und Handeln nicht voneinander unterscheiden und der Welt das Bunte und Außergewöhnliche nehmen.

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