Montag, 1. Dezember 2014

Der Schattenmann



Wer Finsternis sät


Dein Leben ist eine Lüge.
Deine Mutter war nie tot.
Bis heute.

Jos Welt gerät ins Schwanken, als die Polizei in seinem Elternhaus auftaucht. Seine seit Langem tot geglaubte Mutter wurde auf bestialische Weise ermordet.
Und sie ist nicht das einzige Opfer. Jos Leben zerbricht, denn plötzlich steht er im Fokus des Killers, der jeden mit in die Finsternis zieht, der Jo etwas bedeutet.


  • Format: Kindle Edition
  • 275 Seiten
  • Verlag: bookshouse
  • weitere Formate auf der Verlagsseite verfügbar
eBook    4,99 Euro
TB       12,99 Euro










"Wer Finsternis sät" ist ein wirklich gut durchdachter Thriller, der mich einige Lesezeit über wirklich fesseln konnte. Nicht einen Moment war die Story für mich vorhersehbar und es sind gerade die Überraschungsmomente die mich begeistern konnten.

Um die Spannung aufzubauen, nutzt die Autorin einen sanften Einstieg, indem sie uns sowohl Jo als auch Jael ganz genau vorstellt. Jo, der bei seinem Vater aufwächst, ist frisch verliebt und alles dreht sich nur um Emma, bis seine kleine heile Welt ins Wanken gerät und alles was zuvor war, komplett aus dem Ruder läuft. Seine leibliche Mutter, die er tot geglaubt hat, wurde bestialisch ermordet und Jo selbst gerät in den Fokus der Ermittler.
Mit dem Protagonist Jo hat die Autorin eine Figur erschaffen, die den netten Jungen von nebenan widerspiegelt und wir deshalb noch mehr mitfiebern und mitleiden können. Auch wenn man schon fast Erwachsen ist, ist der Schock darüber riesengroß, wenn man feststellt, dass man von seiner Familie belogen wurde und von der leiblichen Mutter abgeschoben wurde. Ein Kartenhaus aus Lügen bricht komplett über Jo zusammen. In diesen Momenten fühlt er sich mehr als ungeliebt, regelrecht unerwünscht und so ist es kein Wunder, dass Jo die Flucht ergreift und sich zurückzieht. Natürlich macht er sich durch diese Aktion für die Polizei um einiges verdächtiger. Lediglich Hannes, ein Praktikant der SoKo, macht sich seine eigenen Gedanken und stellt Jos Schuld infrage. Auch Hannes nimmt in diesem Thriller einiges an Raum ein und ist mir als Figur sehr sympathisch, der er tiefer blickt als seine Kollegen und Kolleginnen der Polizei. 

Uns gelingt der Einblick in die Gedanken des Täters, der diese scheinbar gerne mit uns teilen möchte, sich dabei aber eher unbeliebt bei mir als Leserin macht. Das Schriftbild ändert sich, sobald sich die Story Jael zuwendet. Wir bekommen Einblicke in seine Kindheit und erst zum Ende hin wird klar, wer er wirklich ist. Den einen oder anderen Verdachtsmoment hatte ich während des Lesens schon, welche sich aber während des weiteren Verlaufs der Handlung immer wieder zerschlugen. Jeal ist regelrecht besessen und lebt das Böse aus, indem er mordet, um sich zu stärken. Dies ist, was von Anfang an fasziniert, denn scheinbar nimmt das Böse in Jeal nicht zu, auch wenn immer mehr Frauen ihr Leben lassen mussten. Jeal nimmt immer mehr Raum in der Story ein. Irgendwann gerät Jo in sein Visier und muss um sein Leben fürchten. Interessant hierbei ist, dass ganz klar aufgezeigt wird, wie wie sehr eine Kindheit voll Gewalt prägen kann. Gewalt erzeugt ebenfalls Gewalt, zumindest hier kommt es ganz klar zum Vorschein. Jaels Kindheit wird von Misshandlungen geprägt und schüren das Böse in ihm. Anstatt das Böse durch Schläge zu bekämpfen, wird es immer und immer stärker. Jeal ist zu keinerlei mehr Emotionen fähig als Gewalt. 

Ich empfand den Plot als sehr gut durchdacht. Mir gefiel im Besonderen, dass die Autorin eine Art multiple Persönlichkeitsstörung eingebaut wurde, denn psychische Störungen faszinieren mich einfach immer wieder aufs Neue. Da Jo und Jael ähnlich klingen, wäre ich nicht sonderlich überrascht gewesen, wenn es sich hierbei um eine Person gehandelt hätte. Es kam dann alles doch anders und das ist, was mich völlig überraschen konnte.

Letztendlich kann ich "Wer Finsternis sät" nur eine Leseempfehlung aussprechen, da ich mich gut unterhalten gefühlt habe. Genügend Spannung, die sich nach und nach aufbaut und mit einem gigantischen Ende endlich eine Lösung für mich als Leser bietet. Da Jo recht jung ist (kurz vor dem Abitur) ist der Thriller auch für junge Erwachsene geeignet, da sie sich sicherlich gut mit Jo identifizieren können. Als junger Mensch ist es wichtig einen Halt im Leben zu haben und für Jo bricht alles zusammen, was ihm vorher genug Geborgenheit bot. Warum wurde er jahrelang belogen? Jede/r an seiner Stelle wäre tief verletzt und würde der Wahrheit auf den Grund gehen wollen. Jo erscheint mir in seinem Handeln äußerst authentisch. Wer ist der Schatten, der Jo in seinen Erinnerungen, seinen Alpträumen begegnet? Wer hätte Interesse daran Jos Familie zu schaden und warum?


FAZIT: Ein Thriller, der mit echtem Wahnsinn behaftet ist und es überzeugend schafft, mich als Leser in die Irre zu führen. Spannungsgeladen, gewaltig und brutal, bis ein gigantisches Finale dem Chaos in Jos Leben ein Ende bereiten kann. Leseempfehlung!

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