Donnerstag, 20. November 2014

Poetisch und liebenswert





Andrea Heuser 

Augustas Garten

Roman

224 Seiten, Hardcover, EUR 16,99

Dumont Buchverlag




Eine schmerzlich schöne Mutter-Tochter-Geschichte

Als die fünfjährige Augusta mit ihrer Mutter Barbara ihr Zuhause verlässt, ahnt sie nicht, dass dies ein Abschied von ihrem bisherigen Leben ist. Den Ort, an dem sie bald darauf wohnen, mag sie nicht. Genauso wenig wie Eduard, den Freund der Mutter. Doch Barbara verschweigt ihrer Tochter die Wahrheit. Auf Augustas Frage, wann sie endlich wieder nach Hause fahren, antwortet sie stets nur mit einem unbestimmten »Bald«. Dieses Wort gibt Augusta Zuversicht, doch an ihrem sechsten Geburtstag muss sie erkennen, dass sie nie mehr zu ihrem Vater zurückkehren werden. Augusta läuft davon.
Während die Polizei nach dem Kind sucht, wird die Mutter in ihrer Angst auf sich selbst zurückgeworfen. Es zeigt sich, dass ihr Leben schon immer von Flucht und der verzweifelten Suche nach Halt geprägt war. Auf fatale Weise hat Barbara die Fehler ihrer Familie wiederholt – und wird damit das Leben ihrer Tochter auf immer verändern.
›Augustas Garten‹ ist die ebenso poetische wie aufwühlende Geschichte einer Trennung und eines ersehnten Neubeginns, eine Geschichte über das Verschwinden und über die tragischen Folgen, die aus zu langem Schweigen erwachsen können. Ein Roman, der zu Herzen geht.







"Augustas Garten" ist ein Buch mit echtem Tiefgang. Es erzählt von Augusta und macht mir dabei schmerzlich bewusst, wie schnell man eine kleine Kinderseele verletzen kann. Kinder sind stark genug, um die Wahrheit zu ertragen, daher sollten wir Eltern das Wort "Bald" aus unserem Wortschatz streichen. Für Augusta beginnt ein neues Leben, als ihre Mutter sich verliebt und zu ihrem neuen Freund zieht. Anstatt Nägel mit Köpfen zu machen, antwortet sie auf Augustas Fragen nur mit "Bald" und dabei wäre es so einfach gewesen, ihrem Kind zu erklären, das sie sich von ihrem Vater getrennt hat und nun bei Eduard lebt. Vielleicht hätte Augusta sich eingelebt und irgendwann Eduards Haus auch als das ihre betrachtet? So wartet Augusta darauf, wieder zu ihrem Vater zurückzukehren.

Da Augusta ziemlich einsam ist, Heimweh hat und ihren Papa vermisst, erfindet sie einen imaginären Freund. welches für Kinder ihres Alters völlig normal ist. Mama übersieht, wie sehr Augusta leidet und erkennt erst dann, als es zu spät scheint, was ihrem Kind fehlt. In dem Moment besinnt sich Barbara ihrer eigene Kindheit, die auch schon zuvor in Rückblenden zu verfolgen war.

Ein Buch, welches nachklingt und mir gerade deshalb so nah gegangen ist, da ich selber Mutter bin und in der Erziehung meiner Kinder sicherlich auch nicht fehlerfrei bin, dennoch fühle ich mich in Bedrängnis Augustas Ängste und Sorgen auf mich zu übertragen. Ist Barbara durch ihre Verliebtheit so verblendet, dass sie Augustas Hilferufe übersieht? Ein kleines Mädchen mit einer tiefen Sehnsucht, die sich dadurch befreit, dass sie wegläuft. Sie hat einen guten Plan, aber da sie erst fünf ist, scheitert die Ausführung auf sehr schmerzliche Weise. Mir hat es schier das Herz gebrochen und ich war nach dem Lesen regelrecht erschöpft, da ich Augustas Schmerz fast schon selbst spüren konnte.

"Augustas Garten" lebt von den Worten, die zwischen den Zeilen zu finden sind und machen das Buch daher zu etwas ganz Besonderen. Mir bleibt nichts mehr als eine Leseempfehlung auszusprechen und 5 Sterne zu vergeben -> HIER! , für ein Debüt, was mich wirklich begeistert hat.


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