Montag, 3. November 2014

Augenmerk auf Inklusion




Ich fliege mit zerrissenen Flügeln

Raphael Müller




  • Broschiert: 176 Seiten
  • zusätzliche Ausstattung:  8- seitiger, farbiger Bildteil 
  • Verlag: fontis Brunnen Basel 
  • ISBN-13: 978-3038480082
  • 10,99 Euro

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So etwas hat man zuvor noch kaum je gesehen, kaum gehört, kaum gelesen: Dieses Buch wurde geschrieben von einem heute 14-jährigen Jungen. Raphael ist wegen eines vorgeburtlichen Schlaganfalls Autist und Epileptiker, kann nicht reden, sondern nur Laute von sich geben. Seit der Geburt sitzt er schwerstbehindert im Rollstuhl, hat aber einen enormen IQ, ist gläubig und konnte – ohne jeden Unterricht – bereits als Kleinkind lesen und schreiben. Was man aber erst herausfand, als er etwa 6 Jahre alt war. Bis  dorthin glaubten alle, auch die Ärzte, er sei richtiggehend «blöde». Dank gestütztem Schreiben kann er nun, seit er 7 ist, Gedichte und ganze Romane schreiben, geht aufs Gymnasium und wird oft auch an die Universität Augsburg eingeladen, wo er sich von den Studenten «interviewen» lässt. Alle staunen. Wir auch. Sein Buch ist wunderbar, es ist quasi der Bericht aus einer anderen, uns normalerweise völlig verborgenen Welt. Es sind Texte aus einem Paralleluniversum, eindringlich, nah, existenziell.
Selten konnte jemand mit seinen Worten eine derartige Brücke bauen. Eine Offenbarung!




Normalerweise meide ich Biographien, da  sie oftmals die Personen dermaßen hervorheben, dass sie als Superhelden gelten und ich dieses in den Vordergrund stellen oftmals einfach nur als affig empfinde. Warum schreibt Hinz und Kunz aus der Promiwelt denn sonst ein Buch über das Leben, welches er / sie führt? Um gut dazustehen, ist doch klar. "Ich fliege mit zerrissenen Flügeln" ist auch ein Lebensbericht, aber einer, den zu lesen lohnt. Warmherzig, authentisch und liebenswert beschreibt Raphael seine Behinderung und bewirkt in mir einen großen Lerneffekt. Der Junge auf dem Cover sah nicht aus als hätte er sehr viel Potential, zumindest auf den ersten Blick würde ich dieses so empfinden. Wie gut, das meine eigenen Vorurteile schnell ad acta gelegt worden konnten und ich in Raphael den jungen Menschen sehe, der er ist und nicht der, in deren Schublade ich ihn gesteckt habe. Hinter Raphael stehen viele Menschen die ihn unterstützen, sonst wäre er nicht der, der er heute ist, was schon der Klappentext des Buches ausgesagt hat. Mit Hilfe des gestützten Schreibens kann Raphael sich trotzdem ausdrücken, obwohl er nicht sprechen kann. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir in der heutigen Zeit Menschen mit Behinderungen mehr unterstützen können und es viele Möglichkeiten gibt, das sie sich dennoch  ausdrücken und ihre Bedürfnisse mitteilen können. Ich habe sehr viel gelernt und auch oft gestaunt über die Worte die Raphael findet um sich in Gedichtform auszudrücken. Es ist mehr als bemerkenswert und klingt noch lange nach. Um das Ganze abzurunden, befindet sich etwa in der Mitte des Buches ein 8 seitiger Bildteil, der uns mitnimmt in Raphaels Welt. Ein Buch, der uns den Wert von Inklusion näherbringt und uns auch hier und da über A-Typischen Autismus aufklärt.

Danke Raphael für deine Offenheit. Besonders dankbar bin ich  dafür, dass Gott dir Eltern zur Seite gestellt hat, die dir genau das geben was du brauchst und wäre deine Mutter nicht so aufmerksam gewesen, würdest du dich vielleicht heute noch nicht mitteilen können, Ich ziehe meinen Hut vor euch und schiebe das Mitleid, welches mich hier und da überkommen wollte ganz, ganz weit weg.

Leseempfehlung! Ich vergebe 5 Sterne und zwar HIER!

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