Samstag, 4. Oktober 2014

"Wir lassen dich gehen, damit du bei uns bleibst"



Draußen wartet die Welt

Originaltitel: A World Away
  
Ab 12 Jahren
Taschenbuch, Broschur, 448 Seiten 
ISBN: 978-3-570-40215-3
8,99 Euro

Verlag: cbj

LESEPROBE

Ihre Welt ist eine andere – ein Mädchen auf der Suche nach sich selbst
Kein Handy, kein Kino, kein Make-up … Was für jedes andere Mädchen unvorstellbar klingt, ist für die 16-jährige Eliza die einzige Welt, die sie kennt. Eliza gehört zur Gemeinde der Amish und lebt mit ihrer Familie ein frommes, abgeschiedenes Leben wie vor Hunderten Jahren. Doch diesen einen Sommer darf sie in der Welt draußen verbringen, mit all den Verheißungen und Versuchungen, die diese birgt. Der erste Film, der erste Song, der erste Kuss. Dort lernt Eliza auch Joshua kennen. Sie weiß, sie wird am Ende eine Entscheidung treffen müssen … und diese wird endgültig sein.




"Wir lassen dich gehen, damit du bei uns bleibst" ist eine der Aussagen von Elizas Eltern, die ihrer Tochter ermöglichen ihre Rumspringa fernab von ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen. Eliza ist Amisch und die Rumspringa die Zeit vor der Taufe, in der sich die jungen Menschen für die Gemeinschaft der amischen Lebensweise entscheiden oder eben auch dagegen. In "Draußen wartet die Welt" begegnet uns ein authentisches Buch, welches uns die Lebensweisen der Amischen um einiges näherbringt. Natürlich war mir dieses oder jenes nicht unbekannt, aber es in einem Jugendbuch aus der Sicht einer sechzehnjährigen zu lesen war wirklich interessant. Auch wenn das Leben in einer Amischen Gemeinschaft auf den ersten Blick nach einigen Entbehrungen klingt (Kein Handy, kein Computer, kein Strom ......) haben die Amischen doch einiges was uns in der Zivilisation fehlt und das ist der Zusammenhalt der Menschen. Mich hat es sehr beeindruckt und Eliza, die immer schon davon träumte, ihre Welt zu verlassen, um eine andere für sie interessantere kennen zu lernen, lernt in dieser Zeit viel über sich selbst und auch zu schätzen, was ihren eigenen komplett anderen Lebensstil betrifft . Ich fühlte mich sehr wohl beim Lesen und für mich war das Buch nicht einen Moment vorhersehbar. Die Möglichkeit in der Zivilisation zu bleiben besteht und ich wusste bis zum Ende nicht, wofür sich Eliza entscheiden wird. Goethe hat schon gesagt, dass man seinen Kindern Wurzeln und Flügel geben sollte und obwohl Elizas Eltern sie zuerst nicht gehen lassen wollen, dann aber erkennen, dass es nur diesen Weg gibt, damit Eliza vielleicht auch den Weg zurück in die amische Gemeinschaft findet, müssen sie sie ziehen lassen, um eigene Erfahrungen zu machen. 
Eliza trifft eine völlig andere Welt an, die sie bisher gewohnt ist und auch wenn es sie am Anfang überfordert, fügt sie sich schnell ein, was letztendlich auch an Josh liegt, der ihr unterstützend unter die Arme greift. Wird Eliza wegen ihm die Gemeinschaft der Amischen velassen? Durch ihn bekommt sie einige Einblicke in das Leben der "Englischen" und es gibt viele erste Male. Das erste Mal Kino, das erste mal Zug fahren, das erste Mal Computer spielen, das erste Baseballspiel, der erste Anruf und leider auch der erste Kater nach einer durchgezechten Nacht. Für Eliza öffnet sich ein ihr völlig unbekanntes Leben, in dem sie sich dann doch irgendwann zurechtfindet, aber ist es wirklich das, was sie möchte? 
Ein Tagebuch soll Eliza in ihrem neuen ungewohnten Leben begleiten und als sie Tagebucheinträge ihrer Mutter findet, ändert sich Elizas Blick auf die ihr völlig neue Welt. Für uns als Leser ist all das was wir haben als selbstverständlich geworden. Wäsche waschen? Total easy. Wäsche ab in die Maschine, Programm auswählen, Waschpulver einfüllen, Programm starten. Für die Amischen ist dieser Vorgang doch noch altertümlicher, denn sie waschen noch von Hand. Mikrowellenessen? Gibt es nicht. Es wird jeden Tag frisch gekocht und fast alles wird verwendet, was aus eigenem Anbau stammt. Auf den ersten Blick vielleicht ein viel härteres Leben als unseres, aber auf den zweiten Blick hat diese Entscheidung ein Teil der Amischen zu sein auch viele Vorzüge, die Eliza aber erst einmal für sich entdecken muss. Würde sie sich gegen diese Gemeinschaft entscheiden, würde sie sich auch gleichzeitig gegen ihre Familie und Freunde entscheiden. Dies macht eine Entscheidung natürlich doppelt schwer. Der Reiz der Zivilisation ist definitiv hoch und egal wofür sich Eliza entschieden hätte, beide Möglichkeiten wäre ich mit ihr mitgegangen. 
"Draußen wartet die Welt" hat auch auf mich einen gewissen Reiz ausgeübt. Ich bin schon immer interessiert an dem Leben der Plain People, den Amischen und auch wenn ich vieles schon wusste, war es einfach eine gewisse Faszination mich erneut in eine andere einfachere Welt zu begeben. Eliza muss selbst entscheiden, welchen Lebenstil sie für sich wählen wird und um sie zu halten, war es eine kluge Entscheidung sie ziehen zu lassen. Letztendlich sind ihr ihre Eltern Vorbilder und dieses beeinflusst vielleicht auch ein klein wenig ihre Entscheidung. Ehrlich und unverblümt lernen wir auch kennen, was Elizas Mutter ausmacht und was sie selbst in ihren jungen Jahren erlebt hat. Manches ist schmerzlich und kann nicht aus ihrem Leben gestrichen werden. Anderes kann vergeben werden und bietet einen Neuanfang. 
Von mir eine Leseempfehlung, da ich "Draußen wartet die Welt" als besonders wertvoll empfunden habe. Die Frage ist nun, ob du dich beim Lesen eher wie Valerie verhältst und alles ins Lächerliche ziehst, was Elizas Leben bei den Amischen betrifft oder ob du dich wie Josh verhältst, der Eliza viele wunderbare erste Male beschert und sich dabei auch in dieses wirklich wunderbare Wesen verliebt. Eliza ist eine wirklich genial gezeichnete Protagonistin, die sich sicherlich auch in dein Herz schleichen wird. 


Kommentare:

  1. Oh, ich freu mich das dir das Buch auch so gut gefallen hat :)
    LG,
    Steffi

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  2. Hi Mel,
    mir hat die Thematik bzw. das ganze Buch auch sehr gut gefallen.
    Freut mich, dass wir einer Meinung sind.

    LG
    Sabine

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