Dienstag, 2. September 2014

Lotta Wundertüte - wunderlich und wunderschön




SANDRA ROTH

Lotta Wundertüte

Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl

ISBN: 978-3-462-04566-6 
272 Seiten, gebunden
18,99 Euro



Zum Lachen muss man nicht laufen können
Lotta, drei Jahre alt, ein Schmoller, ein Schlawiner, blond, zickig, zäh, süß – und schwerbehindert. Wie lebt es sich mit einem solchen Kind? Ein ehrlicher, zutiefst berührender Bericht über Familie, Mut, Leiden und Lachen – und die Frage: Was zählt im Leben?
Herbst 2009. Sandra Roth ist im neunten Monat schwanger. Mit Lotta, einem Wunschkind, die Vorfreude der Familie ist groß. Doch bei einer Routineuntersuchung erfährt sie, dass das Gehirn ihrer Tochter nicht mit ausreichend Blut versorgt wird. Welche Konsequenzen diese Gefäßfehlbildung für das Leben von Lotta haben wird, können die Ärzte nicht vorhersagen. »Lotta Wundertüte: Man weiß nie, was drin ist«, sagt einer.
Lotta könnte ein »Rollstuhl-Baby« sein, so nennt das ihr zwei Jahre älterer Bruder Ben. Während er auch gerne einen Rollstuhl hätte, weil man dann nicht selbst laufen muss, setzen sich die Eltern mit anderen Fragen auseinander: Wie lebt es sich mit einem behinderten Kind in einer Gesellschaft, die alles daransetzt, Behinderungen und Krankheiten abzuschaffen? Wie reagieren Freunde, Nachbarn, Kollegen? Und was wird Lotta für ein Leben haben – eingeschränkt, ausgegrenzt? Oder angenommen und geliebt?
Authentisch und liebevoll erzählt Sandra Roth von den ersten drei Jahren mit Lotta, Jahre voller Kämpfe, Überraschungen, Leid und Glück, an deren Ende wir eine lächelnde Lotta im Kindergarten erleben. Ein Buch voll großer Fragen, das Mut macht, auch den schwierigen Momenten im Leben mit Optimismus und Humor zu begegnen.




"Lotta Wundertüte" ist ein Buch für das ich mich ganz bewusst entschieden habe. Eine gute Entscheidung, denn durch das Lesen ist mir Lotta wirklich ans Herz gewachsen. Ich habe mit der Familie mitgelitten und über jeden Fortschritt den Lotta in ihrer Behinderung gemacht hat, innerlich gejubelt. "Lotta Wundertüte" ist definitiv kein Buch für jedermann, da wir Menschen unterschiedlich gestrickt sind. Meine Mittlere Tochter hatte Entwicklungsverzögerungen und dadurch, weiß ich, auch wenn es nicht mit Lottas Behinderung gleichzusetzen ist, wie oft man sich rechtfertigen muss oder kann mich an die Blicke  erinnern, wenn mein Kind aus der Reihe getanzt ist und selbst ich nicht wusste, warum sie sich gerade in diesem Moment so verhält.  Als Kind Nummer Drei auch verzögert anfing zu sprechen hat mir tatsächlich eine Mutter im Spielkreis gesagt, dass sie das Gefühl hat meine Tochter wäre behindert. Nun ja, ich war völlig entspannt über diese Tatsache, da es uns einfach gegeben wurde, dass unsere Kinder erst spät sprechen und dann aber ganze Sätze fehlerfrei, dennoch sind solche Sätze schmerzhaft und bringen uns als Mütter aus dem inneren Gleichgewicht. Vielleicht spart man sich einfach die Vergleiche und akzeptiert einfach die Unterschiede der Kinder? 

Als Mutter eines Integrativkindes im Kindergarten hat man selbst den Stempel "Behindert" aufgedrückt bekommen und ich freute mich, das Sandra da ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Unsere Kindergartenzeit lief etwas anders ab, als die von Sandra beschriebene und ich freute mich für sie für ihre wunderbaren Erfahrungen. Das Angenommen und Angekommen sein von Lotta. Eine Liebe, die nur Kinder geben können, denn sie sehen den Menschen und nicht die Behinderung. 

Ihr werdet im Laufe meiner Buchbesprechung feststellen, das ich viel mit Zitaten arbeite, denn es gab viele Sätze im Buch, die mich tief berührten oder auch eben auch zum Nachdenken anregten. Ich habe vieles schon vorweggenommen und dabei den Anfang des Buches völlig außer acht gelassen: Im 9. Monat ihrer Schwangerschaft mit Lotta erfährt Sandra, dass mit dem Gehirn des ungeborenen Kindes etwas nicht passt und der Begriff "Schwerbehindert" steht im Raum. Nun gilt es die Entscheidung zu treffen sich für oder gegen das Kind zu entscheiden. Dagegen würde bedeuten, dass das Kind im Mutterleib getötet wird und tot geboren wird. Dafür würde bedeuten, das Kind so anzunehmen, wie es auf die Welt kommt.  Sandra und ihr Mann entscheiden sich für Lotta und verdienten sich dadurch meinen allergrößten Respekt. Ich habe mehr oder weniger gesunde Kinder zur Welt gebracht, mich aber gegen alle Art von Pränataldiagnostik entschieden, da ein Abbruch nicht in Frage gekommen wäre. 


Lottas Start ins Leben wird dadurch geprägt, das sie viele Operationen über sich ergehen lassen muss und das ist natürlich auch für die Familie nicht einfach, denn als Eltern steht man hilflos daneben. Ich bewundere die Stärke, die diese Familie hat, denn trotz aller Ängste und Sorgen, sind sie präsent. Sind Ehepaar und Eltern. "Lotta Wundertüte" ist schonungslos und ehrlich in all den Emotionen, die uns hier präsentiert werden. Ich habe es nicht immer leicht gefunden mich damit auseinanderzusetzen, aber ehrlich gesagt habe ich mich auch vom ersten Moment an in Lotta verliebt. Familie Roth erwartet von uns kein Mitleid, sondern nur aufrichtige Annahme und Akzeptanz. Beobachtet euch vielleicht selbst, wenn ihr unterwegs auf eine Familie trefft, die ein Kind im Rollstuhl sitzend haben, dessen Gliedmaßen verrenkt sind,vielleicht auch noch sabbert und komische, fremde Laute von sich gibt. Guckst du beschämt zur Seite oder lächelst du der Familie freundlich zu? 


Besonders wichtig wurde mir die Epilepsie von Lotta, die wirklich wunderbar erklärt wurde. Ich weiß, das ich jetzt doch wieder persönliches miteinflechte, aber auch wir hatten in diesem Jahr ein Gewitter im Kopf meiner mittleren Tochter und ich, die ich zuvor ein Seminar über Epilepsie hatte, war dennoch völlig vor den Kopf geschlagen. Ich fand die sanfte Aufklärung in "Lotta Wundertüte" sehr gut und es half mir etwas in meinen eigenen Ängsten. 
Die Frage nach dem Warum? Warum uns? wird oft verdeutlicht und zeigt einfach auch auf, welche Kämpfe Eltern von Kindern mit Behinderungen haben. "Lotta Wundertüte" ist einfach ehrlich und daher einfach nur authentisch. Glaubt ihr denn, das Eltern, die sich und ihre Bedürfnisse vorläufig hinten anstellen keine Probleme in ihrer Ehe haben? Das sie kein schlechtes Gewissen dem älteren Bruder gegenüber haben, der gesund ist und sich ganz normal entwickelt. Lottas Bruder Ben ist ein echter Schatz, denn er akzeptiert seine Schwester von Anfang an und liebt sie, so wie es nur Kinder können, denn auch wenn Lotta nur im "geheimen" krabbeln kann, ist da nichts, was ihn davon abhält sie bedingungslos zu beschützen und zu lieben. Mir wurde oft regelrecht warum ums Herz und ich hätte diesen jungen Mann gerne geknuddelt. 


Kleine Lotta, ich wünsche dir, dass du auch weiterhin viele Menschen an deiner Seite hast, die jeden Fortschritt und wenn er noch so winzigklein ist bejubeln und sich daran erfreuen, wenn du lächelst. Du hast mich durch deine Geschichte wirklich bereichert und mich noch einmal mehr in meinem Beschluss, was meine Berufsausbildung betrifft bestärkt. Hab Dank dafür kleine Lotta. Ich möchte auch deiner Mutter danken, das sie den Mut hatte deine Geschichte aufzuschreiben als Trost und Ermutigung an diejenigen, die vielleicht auch euer Schicksal teilen und sich vielleicht auch hier und da wiederfinden werden. Von mir kann es nichts anderes geben als eine Leseempfehlung für "Lotta Wundertüte














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