Montag, 8. September 2014

"Coole-Sache-die-ich-machen-muss-bevor-ich-abkratzen-muss"









Brian Conaghan

Jetzt spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe

Das Leben ist echt nicht fair. Schon gar nicht, wenn man wie Dylan Mint an Tourette leidet und nur noch 6 Monate zu leben hat. Und das mit 16! Mr Dog nennt er seine Krankheit, und dieser bellende, fluchende Hund lässt sich nicht kontrollieren. Das ist aber noch nicht alles: Sein bester Kumpel Amir ist Pakistani, und sobald ihn jemand »Stinkendes Curry« nennt, dreht Mr Dog total durch. Rassismus geht gar nicht. Außerdem vermisst Dylan seinen Vater, der Soldat in Afghanistan ist. Und nicht zu vergessen sexy Michelle Malloy, die auch ohne Tourette exzellent fluchen kann. Drei Dinge nimmt Dylan sich vor, bevor es zu spät ist: mit Michelle Malloy schlafen, seinen Vater nach Hause holen und Amir einen neuen besten Kumpel besorgen. Nicht einfach, aber Dylan lässt nicht locker. Bis er feststellt: Nichts und niemand ist so, wie er vermutet hat. Das Leben ist echt voll der Bringer.





Arche Literatur Verlag
Hardcover
ISBN 978-3-7160-2713-4
19,99 Euro


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Dylan Mint leidet zwar an am Tourettesyndrom, dennoch unterscheidet er sich nur geringfügig von anderen Jungen in seinem Alter, denn letztendlich hat er dieselben Sehnsüchte wie wir alle. Normal möchte er sein und nicht immer nur Außenseiter. Es ist amüsant, ihn in all seinen Bemühungen seine "Coole - Sache - die - ich - machen - muss - bevor - ich - abkratzen - muss - Liste!" zu erfüllen, zu begleiten. Sein Ziel ist nicht sehr hochgesteckt. Lediglich drei Dinge gilt es zu erfüllen, bevor er nächstes Jahr im März den Löffel abgeben muss. Eigentlich hatte ich während des Lesens ein Dauergrinsen im Gesicht, denn außer seinen Tics, ist Dylan ein völlig normaler Junge, der eben nur hin und wieder unkontrolliert mit Schimpfwörtern um sich wirft. Diese Schimpfwörter haben sich allerdings gewaschen, denn wie das Wort schon sagt, schimpft Dylan mitunter wie ein Rohrspatz. Trotzdem ist er ein echt toller Typ, denn er ist wirklich Freund und will Amir einen neuen besten Freund besorgen, der ihn dann verteidigt, wenn andere auf ihn losgehen, da Amir alleine völlig verloren wäre. Beim Protagonist Amir ist mir jetzt nur extremes Stottern aufgefallen, allerdings erwähnt Dylan ein paarmal das Asperger Syndrom. Dylan, Amir und Michelle besuchen eine Förderschule, behaupte ich jetzt einfach mal, denn dort wird auch gewickelt und andere Pflegedienste verrichtet. Sie müssen sich dort also mit allerlei Typen herumschlagen, die irgendwie auffällig sind durch ihre Behinderungen. Es klingt nicht einfach und Dylans Ausraster bringen ihn das eine oder andere Mal in das Büro der Direktorin. 

Nachdem Dylan herausgehört hat, das er nur noch 6 Monate zu leben hat, hat er sich überlegt, das er noch dieses und jenes unbedingt erledigen muss. Klingt recht einfach, aber die Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, erscheinen tonnenschwer. Wie will man ein Mädchen beeindrucken, wenn man ihr immer wieder Schimpfwörter an den Kopf wirft, auch wenn man es nicht möchte? Ich würde mich auch nicht unbedingt verlieben, wenn jemand F.... oder H... zu mir sagt. Michelle ist bis auf ihr kürzeres Bein scheinbar eine echte Sahneschnitte und Dylan wird oft rot und steif, wenn er an sie denkt. Typisches Jungsklischee also, bis auf die Tatsache, das Anmachspruche eben durch das eine oder andere unflätige Wort gestört werden. Ich habe es allerdings nicht als störend gefunden, da ich erstens wusste, auf was ich mich einlasse, wenn ich ein Buch über Tourette lese und zweitens, übermittelt uns der Autor diese Krankheit mit so viel Humor, das man Dylan einfach ins Herz schließen muss. 

Amir einen besten Freund zu suchen klappt dann schon um einiges besser und da zeigt sich Dylan mit echter Willenstärke, der auch mal zuschlagen muss, wenn es die Situation erfordert. So schnell beleidigt keiner mehr seinen beten Freund als "stinkendes Curry". Einen Teil der Liste, also schon abgehakt, obwohl jetzt nur noch der Ersatz für Dylan fehlt, aber das wird sich auch noch fügen.

Nummer drei der Liste, seinen Vater aus dem Krieg zu holen, erweist sich dann doch als wirklich schwierig. Im Laufe des Lesens habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, was mit Dylans Vater nicht stimmt. Irgendwie ist die Situation so undurchsichtig und nachdem Dylans Mum endlich mit der Wahrheit herausrückt, überraschte es mich nicht wirklich,

Dylan Mint zu begleiten hat mir wirklich Spaß gemacht und ihn in mancher Situationskomik zu beobachten bescherte mir oftmals ein dickes Grinsen. So werden gute Bücher gemacht, die eine Behinderung zwar offen benennen, uns als Leser aber den Schrecken davor nehmen und uns aufzeigen, dass der Mensch dahinter ganz normal ist und dieselben Bedürfnisse hat wie Du und Ich. Ein tolles Jugendbuch, welches mich komplett und ohne Wenn und Aber begeistert hat. Unbedingte Leseempfehlung!

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