Montag, 22. September 2014

Baccha Bazi



Walter Lucius
Schmetterling im Sturm - Thriller


Ein Schmetterling kann einen Sturm entfachen ...

Die Journalistin Farah Hafez hat ein gefährliches Hobby: Kampfsport. Als sie gerade ihre letzte Gegnerin in der Notaufnahme besuchen will, wird ein schwerverletztes Kind eingeliefert, Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht. Die Kleidung des Kindes weckt sofort Farahs Interesse, denn es handelt sich um traditionelle afghanische Mädchenkleidung – das Kind aber ist ein Junge. Mit Schrecken erinnert sich Farah an ein Ritual, das in ihrem Geburtsland Afghanistan praktiziert wird und bei dem minderjährige Jungen älteren Männern zugeführt werden. Dass dieses Ritual seinen Weg in die Niederlande gefunden haben soll, lässt Farah keine Ruhe. Mehr und mehr wird sie in den Fall hineingezogen, bis ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht …
Die Journalistin Farah Hafez stößt in Amsterdam auf die Machenschaften eines internationalen Kinderhändlerrings. Die Spuren führen nach Moskau und Johannesburg und in die höchsten politischen Kreise. Nach den Recherchen zu dieser Story wird nichts mehr so sein, wie es war.



Klappenbroschur
571 Seiten
ISBN: 978-3-518-46544-8
15,99 Euro





"Schmetterling im Sturm" ist der erste Band einer Trilogie, daher bleiben am Ende des Buches einige Fragen offen, obwohl es in sich schon abgeschlossen ist und nicht mit einem Cliffhanger endet. Der Thriller bietet einiges an Spannung und hat mich einige Abende wirklich gut unterhalten. Wir tauchen ein in Intrigen und Dingen, die uns tief in die menschlichen Abgründe eintauchen lassen. Aus dem Klappentext lässt sich schon herauslesen, worum es letztendlich gehen wird und es tut einfach weh, das es sich hierbei um ein Kind handelt, der der Aufhänger, der Story ist und sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Ein Kind, welches sich nach Geborgenheit und Liebe sehnt und dabei missbraucht wird. Farah, die zufällig auf den Jungen trifft macht sich auf die Suche nach Antworten, die erklären, warum der Junge verkleidet oder geschminkt ist nach einer alten Traduítion, die sich Baccha Bazi nennt und bringt sich dabei selbst in höchste Gefahr. Manchmal ist Neugier nicht immer von Vorteil, denn manches sollte vielleicht unentdeckt bleiben, zumal man so vielleicht selbst in die Schusslinie gerät. Farah lässt sich nicht entmutigen und kommt dem Geheimnis des Jungens näher als sie am Anfang glaubt.

Wir haben hier einen Thriller, der eher sachte startet, um dann zum Ende hin noch einmal mächtig auszuholen. Die Story ist wirklich interessant aufgebaut, dabei aber zwischendurch eher zäh zu nennen, bevor es dann noch einmal mächtig explodiert und zurecht als Thriller betitelt wurde. 

"Schmetterling im Sturm" lässt sich leicht und flüssig lesen und hat einiges an Handlungssträngen zu bieten. Als Leser habe ich vielleicht ein klein wenig mehr Action erwartet, aber auch ein recht unblutiger Thriller kann mich begeistern, denn wir werden eingeführt in Machtspiele und Machtkämpfe, die dann doch mehr in Richtung Politthriller zielen. Eigentlich fürchtete ich nur um das Kind, da er derjenige ist der geschädigt wurde und ich mir eine Auflösung wünschte. Leider wird vieles unausgesprochen bleiben und ich hoffe einfach, das die inneren und äußeren Wunden heilen werden. Vielleicht ist weniger oft mehr und im Nachhinein bin ich auch froh, das ich nicht lesen musste, wie das Kind sexuell missbraucht wurde. "Das Kind" deshalb, weil niemals der Name des Jungen gefallen ist. 

Farah muss ihre eigenen inneren und äußeren Kämpfe bestehen und ist deshalb diejenige, der wir als Person am Nächsten stehen. Sie ist sehr interessant charakterisiert und eine starke, mutige Frau, die sich nicht scheut hinter die Kulissen zu schauen und tatkräftig ans Werk geht. Nicht immer sind ihr die Menschen wohlgesonnen und es gibt einiges in ihrem Umfeld, was sie regeln müsste. Auch der Schmetterling im Titel findet seinen Platz in der Story und hat seinen Ursprung in der Kindheit Farahs. 

Letztendlich haben wir mit "Schmetterling im Sturm" einen Thriller, der am Anfang doch eher vor sich hinplätschert um am Ende noch einmal mächtig auszuholen, um mich dann doch zu überzeugen. Vorher empfand ich die Story eher lahm und wartete auf echte Spannung bis zu dem Zeitpunkt als plötzlich alles einen Sinn ergibt. Manches wurde einfach zu genau beschrieben, was auch abgekürzt werden hätte können, um dem Leser nicht zu viel Eindrücke zu liefern. Manches Drumherum empfand ich als oberflächlich und zu lang und breit erzählt. Das Gesamtergebnis konnte mich aber dann dennoch überzeugen.

FAZIT: Ein Thriller, der zwar anders als erwartet ist und trotz seiner recht intensiven Handlung dahin zielt, was ich als Leser erwarte, mich am Ende doch noch zu überzeugen und mich mitzunehmen in eine Welt voll Betrug, Mord, Intrigen und Hass. Trotz kleiner Schwächen und Längen eine Story die Hand und Fuß hat und sehr glaubwürdig erscheint. 

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