Mittwoch, 20. August 2014

Ein Buch vom Lieben, Loslassen, Ankommen







Pia Ziefle

Länger als sonst ist nicht für immer


Arche Literatur Verlag
Hardcover
ISBN 978-3-7160-2715-8
19,99 Euro


Warum wir werden, wie wir sind
Pia Ziefle erzählt in ihrem neuen Roman von Kindheit und Verlust, einem Sommertag im Jahr 1976 und dem schmalen Grat zwischen Liebe und Schuld.
Sommer 1976. In Ostberlin kommt der 9-jährige Lew in eine neue Familie, nachdem seine Eltern Republikflucht begingen. In einer schwäbischen Kleinstadt wird ein Mädchen namens Ira geboren und muss lernen, dass es von der Mutter nicht geliebt wird und dem Vater nicht zu nahe kommen darf. In einem Dorf in Jugoslawien begibt sich der 4-jährige Fido mit seinem Großvater auf die Reise nach Deutschland und wird nie mehr in die Heimat zurückkehren. Lew, Ira und Fido - zu unterschiedlichen Zeiten begegnen sie einander, lieben und verlieren sich wieder, können nicht finden, wonach sie sich sehnen: einen Ort, an dem sie zu Hause sind. Erst als fast 30 Jahre nach jenem Sommer Iras Vater im Sterben liegt und Lew überraschend eine Nachricht aus Indien erhält, öffnet sich ein Weg in die Vergangenheit, der ein Ankommen "für immer" noch möglich macht.



Es gibt Autorinnen und Autoren die ihrem Schreibstil treu bleiben und so erging es mir auch beim Lesen von "Länger als nichts ist für immer", denn auch in diesem Buch ist das Lesen zwischen den Zeilen zwingend notwendig und auch die Suche nach den Wurzeln eines Menschen wird hier in den Vordergrund gerückt. Es fasziniert mich auf die Reise zu gehen und Menschen auf ihrer Suche zu begleiten. Woher komme ich? Wo gehe ich hin? Auch wenn ich es am Anfang etwas schwierig fand die einzelnen Personen zuzuordnen wird es im Laufe des Buches immer offensichtlicher und die Reise die ich gemeinsam mit Ira, Fido und Lew antrete bekommt einen Sinn, obwohl ich erst ganz zum Ende hin ein Bewusstsein dafür bekam, wohin mich die Autorin ausgesendet hat.

Ich fühlte mich sehr wohl, denn die Sprache die die Autorin verwendet ist sehr anschaulich und die Begebenheiten, Orte und Menschen werden so bildlich dargestellt, das ich sie in meinem Inneren sehen, spüren, fühlen und auch riechen kann. Diese offensichtlichen Worte sind mächtig und lassen das Buch lebendig werden. Ich habe das Buch sehr genossen, obwohl es eben keine leichte Kost ist, sondern wirklich anspruchsvoll.

Auch wenn das Leben der Protagonisten unterschiedlich verläuft sind sie sich doch näher als ich vermutete. Das Lieben ist hart, manchmal schmerzhaft und dennoch immer präsent, gerade dann wenn man auch innerlich loslassen muss. Diese Tatsache hat mich am meisten fasziniert. Ankommen wird hier in einigen Begebenheiten sehr deutlich und bedeutet manchmal auch einfach nur sich selbst finden oder Antworten zu finden, die den Sinn des Lebens, meines eigenen Lebens betreffend, erklären.

Natürlich gab es auch hier Personen oder Taten, die mich stutzig machten oder mich dazu zwangen den Kopf zu schütteln, aber ist es nicht menschlich, das wir Dinge tun oder sagen, die andere nicht verstehen? Weil sie ganz tief aus unserem Inneren kommen? Unsere Verletztheit wiederspiegeln?

Wer sich ein Buch wünscht bei dem man eben auch mal seine grauen Zellen anstrengen muss und es genießt auch zwischen den Zeilen zu lesen, wird hier ein Buch bekommen der all diese Kriterien erfüllt.

Von mir definitiv eine Leseempfehlung für "Länger als nichts ist für immer"!






"Du hast dich auf den Weg gemacht" sagt sie, "und ich werde bei dir bleiben bis du angekommen bist" Zitat S. 157



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