Freitag, 27. Dezember 2013

(Alpt)RAUM








Ich denke nur echte Leseratten können nachempfinden, welches Kribbeln die Leseprobe in mir ausgelöst hat und ich dieses Buch unbedingt Lesen musste, denn es hat mich derart gefesselt, daß ich wirklich froh und glücklich war, es mir ertauschen zu können. Nun lag es auf meinem Bücherstapel und ging eine echte Faszination von ihm aus, daß es mir schwerfiel nicht sofort loszulesen. Ich hatte aber noch ein anderes, auch sehr gutes Buch, welches ich schon angefangen hatte. So konnte ich die Spannung noch ein klein wenig herauszögern. 

Warum mich dieses Buch so gefangen genommen hat, möchte ich euch jetzt mitteilen, ohne allzusehr auf das Geschehen einzugehen, obwohl es vielleicht manchmal doch unumgänglich sein wird. Dies verzeiht mir bitte: 

Erzählt wird die Geschichte von Ma und Jack, die beide in einem Raum zusammenleben müssen. Für Jack heißt dies, daß er anders wie meine Kinder niemals auf den Spielplatz kann, sich nicht mit anderen Kindern verabreden oder einfach nur wie ein normales Kind barfuß über Wiesen laufen und das hat mich manches Mal beim Lesen wirklich sehr traurig gemacht, denn ich dachte an meine eigenen Kinder, denen dies alles möglich ist und sie es vielleicht nicht zu schätzen wissen, denn es ist etwas völlig normales für sie. Jacks Geschichte fängt damit an, daß er seinen 5. Geburtstag feiert, nur mit Ma und ohne andere kleine Fünfjährige, ohne Topf schlagen oder Blinde Kuh spielen, alles dies ist Jack verwehrt. Das die Geburtstagsgeschenke auch sehr mager ausfallen, lassen wir einmal dahingestellt, denn das ist wohl eher unwichtig! Für Jack völlig normal, denn er ist eingesperrt in einem winzigen Raum, in dem er auch geboren wurde und seitdem mit Ma dort lebt. Jack ist eingesperrt, denn Old Nick hat Ma geraubt als sie 19 Jahre alt war. Ma ist einfach nur Ma, obwohl ihr Name im Buch ein paarmal fällt, kann ich mich leider nicht an ihn erinnern. 

Das Buch hat 3 Kapitel, die ich als Leben im Raum, Flucht und das Leben nach Raum bezeichnen würde. Geschrieben ist alles aus der Sicht von Jack und das ist nicht immer leicht zu lesen, dennoch hat es mich fasziniert. 

Jack ist zwar in vielen Dingen durch das Gefangensein eingeschränkt, aber er bekommt alles was Ma ihm bieten kann. Ihre aufopfernde Liebe und ihre volle Aufmerksamkeit. Lesen, Rechnen und Schreiben lernt er auch und Wörtermix, das heißt aus Worten wie Angst und Mut wird z.B Mungst. Dieses Wort hat für Jack eine echte Bedeutung, denn er muss gleichzeitig stark und mutig sein, aber dennoch darf er Angst haben. Ich will jetzt nicht zu viel vorwegnehmen, aber gerade dieses Wort wird euch des öfteren im Buch begegnen. Die kindliche Art und auch viele Versprecher deuten einfach darauf hin, daß Jack eben erst 5 Jahre alt ist. Meiner Meinung nach schmälert es die Handlung eben deshalb nicht, sondern macht das Buch zu etwas Besonderen. Manchmal sind die Wortverdrehungen doch recht schwer zu lesen und manchmal auch wirklich unnötig und unpassend, aber für mich war es ein Buch, welches ich unbedingt Lesen wollte, da der Fall Elisabeth Fritzl und Natascha Kambusch mir noch im Kopf herumschwirrte und ich auch gleich Vergleiche gezogen habe. Unfassbar, daß solche Dinge tatsächlich geschehen können und es hinterher niemand gesehen haben will oder gehört. Mir zeigt es, daß wir in einer Welt leben in der sich alle nur um sich selbst drehen und dabei übersehen, was beim direkten Nachbarn geschieht. 

Für Jack gestaltet sich das Leben mit Spielen, Lernen so gut es geht, Basteln aus Klorollen oder eben den Fernseher. Für Jack ist all das was im Fernseher geschieht und er zu sehen bekommt wahr, denn er denkt, daß alle Menschen, Tiere, Bäume, Gras, Wiesen oder auch Zeichentrickfiguren wie Dora im Fernseher leben und auch daher denkt er auch so und als dann die Welt, wie wir sie kennen mit Regen, Wind und Sonne etwas, was ihn völlig aus der Bahn wirft und verängstigt. Er ist nie zuvor die Rutsche runtergerutscht, er hat nie im Sand gespielt oder geschaukelt. Er kannte nur Ma und die Dinge die sich im Raum befinden, die er genauso benennt wie sie heißen, also Tisch, Stuhl, Bett oder auch Schrank. Im Schrank muss er sich verstecken, sobald Old Nick kommt und das passiert immer dann, wenn er einen Code eingibt, der die Tür öffnet und dann muss Jack ganz leise sein. Old Nick bringt auch immer neue Lebensmittel oder ein besonderes Sonntagsgutti, welches etwas Besonderes bezeichnet wie Schmerztabletten für Mas schlimmen Zahn oder ein Kinderbuch. Wenn das Bett quietscht, dann fängt Jack an zu zählen. 

Manches wirkte auf mich sehr beklemmend und ich bin froh über meine Freiheit. Ich kann rausgehen wann und wo ich will und niemand schränkt mich ein. Ich bin nicht abhängig davon, daß regelmäßig jemand für mich einkauft, damit ich nicht verhungere. Ich muss mein Kind nicht in den Schrank sperren um es vor Old Nick zu schützen. 

Das Jack mit 5 Jahren noch gestillt wird, fand ich komisch, aber nicht ungewöhnlich, denn für die beiden ist es ein Gefühl von Geborgenheit und Nähe. Würde direkt neben mir eine Frau ihre Brust auspacken und ihr fast schon Schulkind an die Brust nehmen, würde es mich aber dennoch abstoßen, weil es in unserer Kultur eher ungewöhlich ist. In anderen Kulturen ist dies völlig normal und niemand würde daran Anstoß nehmen. 


Wie Jack auf seine Umwelt reagiert und sie auf ihn, lest ihr am besten selbst! Ma kommt mit der neuen Situation auch nicht klar, aber wie sie reagiert, möchte ich auch nicht verraten und dann sind da ja auch noch die ganzen Keime und Viren, die es in Raum nicht gab und die nun dafür sorgen, daß Jack seinen ersten Schnupfen hat. Eklig fand ich den Gedanken zum Trost an einem alten schlimmen Zahn zu lutschen um mich Ma näher zu fühlen, da kam dann die Zahnarzthelferin in mir durch, die mir die mir ins Ohr flüsterte: Karies ist anstecken! 
Ich kann mir tatsächlich vorstellen, daß es genauso gewesen sein könnte und die Faszination dieses Buches packt mich heute noch, gerade eben wo ich diesen Bericht schreibe. 

Da es natürlich schon einige Rezensionen zu diesem Buch gibt und diese so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht liegt einfach im Auge des Betrachters. Mir sind immer wieder meine eigenen Kinder durch den Kopf gegangen und daher konnte ich mich in Jack in vielen Dingen hineinfühlen. Gerade meinen Sohn in seinem Bewegungsdrang derart einzuschränken, daß er im Raum nur um Tische und Stühle herumrennen könnte, stelle ich mir unmöglich vor oder ein Kind in den Schrank zu sperren und es verhält sich ganz, ganz ruhig und tut keinen Mucks. Das war für mich beklemmend. Nur die Klimaanlage und keine Frischluft? Sehr beängstigend, oder? Außerdem immer davon abhängig, daß Old Nick mir wohlgesonnen ist und mich nicht bestraft, indem er mir z.B den Strom ausdreht oder keine frischen Lebensmittel bringt! Stellt euch vor, ihr müsstet jeden Morgen die Cornflakes zählen, damit sei bis zu dem Tag reichen, bis Old Nick wiederkommt. Ma ist in meinen Augen wie eine kämpfende Löwenmutter, auch wenn sei eher ruhig und besonnen reagiert in vielen Situationen, aber man spürt ihre tiefe Liebe zu ihrem Kind und auch die Hoffnung, die Jack ihr gibt, denn nun ist sie nicht mehr alleine im Raum, sondern hat jemanden mit dem sie reden kann, der ihr zuhört und für den sie sorgen kann. Vorher war da nur der Fernseher und diese Vorstellung ist grausam und beängstigend! Eingesperrt zu sein ohne die Chance auf ein Entkommen! 

Ich hoffe ich habe nicht zu viel erzählt und euch die Spannung dennoch aufrecht erhalten können. Um euch selbst ein Bild von Ma und Jack machen zu können, müsst ihr das Buch schon selbst in die Hände nehmen! 






Klappentext: 
Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Und dort versteckt sie ihn im Schrank, wenn Old Nick kommt ... »Raum« trifft mitten ins Herz und wurde in den USA über Nacht zum Bestseller. 


Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein Oberlicht und ist 12 Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind - echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen ... 



Die Autorin: 
Emma Donoghue wurde 1969 als jüngstes von acht Kindern in Dublin geboren. Sie studierte in Dublin und Cambridge. Nach einem Aufenthalt in London zog sie 1998 nach Ontario in Kanada, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern lebt. Emma Donoghue ist Autorin zahlreicher Romane und Erzählungen. Die Übersetzungsrechte wurden in 29 Länder verkauft. 


Leseprobe!



Bei "Raum" handelt es sich um ein gebundenes Buch mit Schutzumschlag mit 416 Seiten. Erschienen ist es am 29.8.2011 im Piper Verlag mit folgender ISBN: 9783492054669. Im Orginal heißt es: Room! Mittlerweile auch als TB und eBook erhältlich!



Hier noch einige Pressestimmen, die nur dazu dienen sollen zu untermauern, was ich eigentlich aussagen möchte: 

»Eine dunkle, wunderschöne Geschichte über die Beziehung zwischen Mutter und Kind, erzählt von dem hinreißendsten Fünfjährigen, den man sich nur vorstellen kann.« Newsday 

»Nur eine Handvoll Autoren haben es geschafft, die Welt aus der Sicht eines Kindes zu beschreiben: Henry James, Mark Twain, William Faulkner ... Nun haben diese Autoren Gesellschaft bekommen: Emma Donoghue.« Newsweek 




Das Cover ist eigentlich nichts Besonderes, denn es sind nur die 4 Buchstaben des Wortes Raum zu lesen in 4 verschiedenen Farben. Vielleicht hat es ja auch Jack geschrieben? Sieht schon sehr kindlich aus und spricht auch für sich, denn mehr braucht man auch nicht, denn Klappentext und Handlung sagen manchmal mehr aus, als ein Cover. Das Cover hat mich dieses Mal nicht angesprochen. Oft ist dieses nämlich der Fall, warum ich in ein Buch reinlese und meinen Leseeindruck verfasse, aber hier war es tatsächlich das geschriebene Wort was mich gefesselt hatte. 


Das Buch lässt einen zurück mit einem wirklich komischen Gefühl im Bauch und manche Handlungen sind mir auch heute noch unklar. Dennoch ist dies ein Buch, welches ich verschlungen habe und schwer aus der Hand legen konnte. Ich würde es tatsächlich erneut lesen wollen und daher gibt es von mir natürlich eine Leseempfehlung! 


Ich ende mit einigen Worten, die nicht von mir stammen, sondern von Audrey Niffenegger, welche hinten auf dem Einband des Buches zu lesen sind: 

" Wenn du Raum gelesen hast, mag die Welt noch so sein, wie sie ist. Aber du selbst hast dich verändert!" 



Wünsche euch allen einen tollen Tag! Genießt eure Freiheit! 


Ganz liebe Grüße, 
Mel

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