Samstag, 16. November 2013

Wenn aus Liebe Mord wird




Der freundliche Mr Crippen



Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence



Am 20. Juli 1910 verlässt das Passagierschiff S.S. Montrose den Hafen von Antwerpen und steuert mit rund 1.400 Fahrgästen in Richtung Quebec. Unter ihnen aus London ein Vater mit seinem Sohn. Im März desselben Jahres meldet im Londoner Büro von Scotland Yard eine Frau ihre Freundin Cora Crippen als vermisst und äußert einen ungeheuerlichen Verdacht: Coras Ehemann, der Arzt Hawley Crippen, soll seine Frau ermordet haben. Inspektor Walter Drew schenkt diesem Hinweis jedoch keinerlei Glauben, denn Mr Crippen gilt als überaus freundlich, sympathisch und harmlos. Doch auch Mr Crippen scheint wie vom Erdboden verschluckt, und dann macht Scotland Yard eines Tages einen grausigen Fund. In Vor- und Rückblenden zwischen den Ereignissen in London und auf der S.S. Montrose erzählt John Boyne von der spannenden Jagd nach einem Mörder und seiner Komplizin, die sich im Jahr 1910 wirklich so zugetragen hat. Sie führt uns zurück in die große Zeit der Passierschifffahrt kurz vor dem Untergang der Titanic und der großen technischen Erfindungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurde ein Täter per Schiffsfunk überführt.

528 Seiten 
mit Schutzumschlag
Arche Verlag
EUR 22,95
ISBN-13: 978-3-7160-2700-4



John Boyne hat es wieder einmal geschafft mich vollkommen zu faszinieren. Bisher ist jedes Buch welches ich las eingeschlagen wie ein Bombe. "Der freundliche Mr. Crippen" brilliert dadurch, das es ganz sanft anfängt und uns einführt in das Leben des Hawley Crippen. Es ist sehr faszinierend Einblicke in dessen Leben zu bekommen und vielleicht ist auch alles nur Fiktion? Vom Autor ausgedacht und hinzugefügt oder tatsächlich so geschehen? Im Prinzip weiß niemand so genau, was damals geschehen ist, aber John Boyne hat dieses Thema wunderbar aufgegriffen und zu einem sehr spannenden Buch zusammen geschustert. Man nehme hier ein klein wenig, fügt dieses noch dazu und letztendlich bleibt der Leser mit offenen Mund zurück, denn auch wenn die Anfänge eher schwach sind, sind die letzten 150 Seiten so interessant, das es mir schwer fiel das Buch zur Seite zu legen. Erst als alles gelesen war konnte ich aufatme, obwohl ich Mr. Crippen einen Neuanfang mit seiner Liebsten gegönnt hätte. Da wir Hawley Crippen auch in seiner Kindheit begleiten, seine Träume miterleben, seine beiden Ehen, merken wir, das er erst dann als glücklich zu bezeichnen ist als Ethel le Neve in sein Leben tritt. Cora Crippen ist mir als Person sehr unangenehm und nun ja, man soll Menschen niemals etwas schlechtes wünschen, aber es hat mich nicht verwundert, das sie ihr Leben lassen musste um Hawley aus ihren Klauen zu befreien. Wie und wer nun schuldig ist an ihrem Tod ist unklar, zumindest in der Geschichte, die wir auf Wikipedia nachlesen können. Hier im Buch wird es erst spät klar, was letztendlich geschehen ist und zuerst war es erst einmal ein Schock.

Die Flucht nach Kanada fand ich sehr spannend, denn auch wenn die Möglichkeiten durch Medien wie Internet, Handy und anderem nicht gegeben sind, wird hier dennoch durch Funk das erste Verbrechen der Geschichte nacherzählt. Das Leben an Bord der Montrose gestaltet sich nicht als einfach, denn Hawley und Ethel geben sich als Vater und Sohn aus und vielleicht ist es eben dies, was ihnen zum Verhängnis wurde?

John Boyne bedient sich einer Sprache, einem Schreibstil, der mich wieder einmal komplett begeistern kann. Er haucht seinen Protagonisten so viel Leben ein, das wir sie entweder verachten, lieben, wertschätzen oder eben auch nicht traurig sind, wenn sie plötzlich aus dem Leben scheiden. Cora Crippen erschien mir grausam und widerlich. Hawley Crippen hätte sich sicherlich anders von ihr trennen können, aber er hat den Absprung einfach nicht geschafft. Ob ein Mord das einzig wahre ist lasse ich mal so dahin gestellt, aber mich hätte sie als Person auch zur Weißglut getrieben. Selbstsüchtig und so sehr von sich überzeugt, das sie irgendwann nur noch nervt.

Die Story rund um Hawley Crippen wurde mehrfach verfilmt und bietet auch heute noch viel Grund für Spekulation und Gesprächsstoff. John Boyne schafft es auf mehr als 500 Seiten der Story eine neue Wendung zu geben, denn das was tatsächlich im Jahre 1910 geschehen ist, ist bis heute noch unklar, da nur durch Indizien angeklagt wurde.

Mich konnte "Der freundliche Mr. Crippen" begeistern, auch wenn ich am Anfang nicht so recht warm wurde mit dem Buch, da mir so viel drumherum erzählt wurde, bis dann letztendlich der grausame Mord geschieht, ab da nimmt die Story so viel an Fahrt auf, das ich wieder wusste, warum ich John Boyne als Autor so sehr schätze.








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