Donnerstag, 18. Juli 2013

Wechselbalg





Vertauschte Leben


Gabi und Gerd Bender sind stolz auf ihren 17-jährigen Sohn Tim: Er ist ein brillanter Schüler und ein begabter Pianist. Doch ihr wohlgeordnetes Leben gerät ins Wanken, als herauskommt, dass Tim gar nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern bei der Geburt mit David Liegers vertauscht wurde.David ist nach einer Hirnhautentzündung behindert. Seine Eltern Mona und Rolf lieben ihn dennoch bedingungslos. Beide Familien müssen nun einen Weg finden, mit dieser kaum fassbaren Situation umzugehen ... 

Ein bewegender Roman über die Suche nach Identität und Zugehörigkeit.




  • Gebunden, 336 Seiten
  •  
  • · 
  •  
  • Gerth Medien
  •  · 14,99 EUR
auch als eBook erhältlich HIER!









"...Wertvoll ist, wer geliebt wird..."




Meine Meinung:
Auch wenn der Titel meiner Rezension sehr hart klingt, so drückt der doch genau das aus, was vor 17 Jahren geschah. Zwei Jungen werden geboren und vertauscht, was dazu führt, das sie beide in unterschiedlichen Familien aufwachsen. Es kommt heraus, als Tim einen Autounfall mit seinem besten Freund Eeke hat, da die Blutgruppen der Eltern nicht zu seinen passen scheinen. Für Gerd und Gabi bricht eine Welt zusammen und das Gefühlschaos in das sie stürzen ist für mich als Leser nachvollziehbar, obwohl ich vielleicht doch anders reagiert hätte als Gerd, denn es liegt in seiner Natur sich erst einmal unbeliebt zu machen. Er ist vom Charakter her von der Autorin so gezeichnet, das er als eher unangenehmer Zeitgenosse wahrgenommen wird. Gabi, eine herzensgute Frau ist da schon ganz anders und man merkt ihre tiefen Sehnsüchte, die sie mit Gerd nicht teilen kann. Haben sie sich auseinandergelebt?  Mitunter kann es geschehen, das man sich in einer jahrelangen Beziehung / Ehe nichts mehr zu sagen hat und so kommt es mir vor: Gerd ist der Bestimmer und Gabi passt sich an. Leider passt sie sich auch so an, das sie ihren Sohn Tim dadurch verliert und ihren anderen Sohn David vorläufig nicht gewinnen kann, obwohl ich ihre tiefe Sehnsucht spüren konnte. Im Gegensatz zu Gerd ist es ihr nämlich egal, das David nur ein sabbernder Idiot (O-Ton Gerd) ist. Als Mutter  fühlt sie vielleicht viel intensiver als Gerd, der vielleicht eher darauf bedacht ist nicht ins Gerede zu kommen. An manchen Stellen packte mich bei so viel Oberflächlichkeiten echt die Wut.
Kommen wir nun zu der anderen Familie, die aus Rolf, Mona, Katrin und dem behinderten Sohn David besteht. Sehr liebevoll lesen wir davon, das ein Leben mit einem Menschen mit Behinderungen nicht einfach ist, aber sie uns dennoch reich beschenken. Vielleicht sind sie eine Last, aber vieles was David kann, würde ich mir für uns auch wünschen. Einfühlsamkeit und eine gewisse Beobachtungsgabe, die von Herzen kommt und nicht aufgesetzt wirkt. Diese Familie ist gläubig und man spürt es ihnen auch ab. Ich habe es fühlen können dadurch, da ihre Reaktionen ganz anders waren als die der Familie Bender.
Im Prinzip ist Tim hier der Leidtragende, denn er ist nun auf der Suche nach seiner Identität und dabei reift ein völlig verrückter Plan in ihm heran, dessen Ausführung mich total verwirrt hat, bis zu dem Zeitpunkt als mir die Autorin, die die Leserunde auf Lovelybooks.de (HIER!) ganz genau erklärt hat, warum sie genau dieses Ende gewählt hat. Ich habe es anders interpretiert und war froh, das es anders gedacht war, ansonsten hätte mich das Buch nicht zufrieden stellen können, sondern einen bitteren Nachgeschmack gehabt. Letztendlich bin ich dankbar für die kurzen Einblicke in zwei sehr unterschiedlichen Familien, die aber genauso gut Leute wie du und ich sein könnten. Authentisch, warmherzig und voller Liebe! Ein interessantes Buch, was zum Nachdenken anregt über Werte und Zusammengehörigkeit. Wo stehe ich? Wie viel ist mein Leben wert?

Von mir eine Leseempfehlung für "Vertauschte Leben" von  Birgit Gassmann!







„Du kannst nicht Gott in allem ignorieren und plötzlich, wenn du einen Schuldigen suchst, ihn in den Mittelpunkt stellen. Entweder er ist der Mittelpunkt in deinem Leben, dann kannst du ihn nach allem Guten und Schlechten befragen. Oder du ignorierst ihn, dann musst du ihn konsequenterweise auch im Schlechten ignorieren.“ Zitat 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen